Montagskrimi

Extrem Düster: "Der Tote im Spreewald"

Foto: Nicolas Maack

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Schwere Fernsehkost zum Wochenbeginn: Der ZDF-Krimi „Der Tote im Spreewald” (20.15 Uhr) präsentiert sich wie eine kunstvoll inszenierte Winterdepression. Also: Nichts für Gemütsschwache.

Der Schauspieler Christian Redl ist der Mann für ernste Fälle. Auch als Kommissar Krüger ist ihm über 90 trostlose Minuten hinweg praktisch kein Lächeln zu entlocken. Dafür gibt ihm Regisseur Christian von Castelberg auch wahrlich keinen Anlass.

Ein gruseliger Mord im winterkalten Spreewald muss aufgeklärt werden. Die Leiche liegt unter dem Eis, ein Fangeisen mit Kette zusätzlich am Bein. Kommissar Krüger, der selbst jede Menge an privatem Psycholballast mit sich herumschleppt, muss im deutsch-polnischen Grenzgebiet ermitteln. Hinzu kommt die beklemmende Minderheitenproblematik der Sorben; alles vermengt sich zu einer wenig erbaulichen Stimmung.

Nadja Uhl spielt die Frau des Getöteten. Ihre Erinnerungen an bessere, verliebte Zeiten, werden immer wieder in die grausame Gegenwart ein- und überblendet. Das ist technisch geschickt gemacht, steigert aber die Tristesse noch weiter ins Schizophrene.

„Der Tote im Spreewald” ist ein Heimatfilm der ziemlich anderen Art. Die ausgesprochen spröde Schönheit der Winterlandschaft wird zur Kulisse eines mehrschichtigen Psychodramas, das nur Verlierer kennt. Christian Redl und Nadja Uhl spielen großartig, aber eben auch zutiefst beklemmend.

Die Aussichtslosigkeit des Einzelnen korrespondiert mit der Hoffnungslosigkeit der Gemeinschaft, in der sie sich befinden. Zugleich eröffnet der Krimi mit dem Sorben-Aspekt eine Perspektive, die hierzulande weitgehend unbekannt und doch ein Stück deutscher Wirklichkeit ist. Und selbst die illegalen polnischen Grenzgänger, die sich als wildernde Pelztierjäger verdingen, sorgen für ein Stück Lokalkolorit, das den Spreewald abseits der postkarten-verklärten Touristik-Routen zeigt.

Nach dem Film „Das Geheimnis im Moor” vor drei Jahren ist das nun der zweite Fall für Kommissar Thorsten Krüger in dieser gewöhnungsbedürftigen Region. Ein Werbefilm für den nächsten Urlaub ist diese Produktion dabei eher nicht. Wohl aber ein intensives und anspruchsvolles Fernsehangebot, das sich bewusst gegen jedes laue Mittelmaß stemmt.

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