Fotografie

Ferdi Kräling bannt die Formel 1 aufs Bild

Foto: kräling

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Winterberg. Der renommierte Fotograf Ferdi Kräling aus Siedlinghausen hat 503 Formel-1-Rennen im Bild festgehalten. Für den Profi hinter der Kamera zählt dabei jede Sekunde. Seine absoluten Renn-Favoriten: der Große Preis von Monaco und die alte Schleife am Nürburgring.

Für Ferdi Kräling zählt jede Sekunde. Ein leichtes Blinzeln, schon kann der Schuss nach hinter losgehen. Ein Zögern, schon sieht er nur noch die Rücklichter. 40 Jahre steht der Motorsportfotograf in jeder Formel-1-Saison an der Strecke, hält Gesichter bekannter Fahrer und Momente, in denen die Rennwagen wie Pfeile an ihm vorbeischießen, fest. Heute ist der 69-Jährige in Rente, doch beim Großen Preis von Monaco blickt er noch immer durch die Linse.

In Monte Carlo noch mal ganz nah dran

„Monte Carlo ist für mich neben dem alten Nürburgring das Beste, das einem Fotografen passieren kann. Dort zeigt noch jedes Bild auf jedem Meter etwas anderes”, sagt Ferdi Kräling. Er spricht vom Café de Paris, vom teuren Yachtaufgebot, vom weiten Meer, das den Hintergrund schmücke. „Dort kommt der Fotograf noch ganz nah ans Geschehen heran.” So nah, wie heute an keinem anderen Ort mehr. So nah, wie Mitte der 60er Jahre, als Kräling zum ersten Mal ein Formel-1-Rennen am Nürburgring besucht. „Ich war so fasziniert, dass ich nur einen Wunsch hatte: Da möchtest du näher heran, noch mehr sehen, die Menschen unter den Helmen kennen lernen.”

Kräling arbeitet damals im elterlichen Fotogeschäft, lichtet Kinder, Hochzeiten und Landschaften ab. Doch das sei kein Vergleich zu dem Gefühl, mit dem Objektiv an der Rennstrecke zu stehen. „Da packt einen das Rennfieber. Der Geruch, das Heulen der Motoren, die Schnelligkeit - da bildet sich Gänsehaut.” Auf eigene Kappe fährt Kräling zu den Rennen, reist jede Woche in ein anderes Land und kämpft sich mit einer List bis in die Fahrerlager vor. Im Druckbetrieb seines Onkels fertigt er sich Briefbögen der „Presseagentur Kräling” an. Eine Agentur, die es nicht gibt, dennoch bilden die Bögen für Kräling das Tor zur Rennwelt. „Jetzt war ich wer, obwohl ich noch nichts war.”

Mit 300 Stundenkilometern rasen die Wagen auf ihn zu, heben an manch einer Fahrbahnstelle 30 bis 40 Zentimeter vom Boden ab. Ein, zwei, drei Meter von den Wagen entfernt, lauert der Siedlinghauser am Kurvenausgang. Leitplanken gibt es nicht. „Innerhalb von einer 250stel Sekunde musste ich abdrücken, sonst wurde der Wagen unscharf.” Heute seien solche Szenen undenkbar. Auf 100 Meter Distanz ständen die Fotografen hinter hohen Sicherheitszäunen. Hier und da sei ein Loch im Gitter, durch das die Objektive passen würden.

Man kommt heute nicht mehr an die Fahrer ran

Der Gang ins Fahrerlager, in die Boxengasse oder gar die Übernachtung im Hotel der Rennpiloten - heute ein reines Luftschloss, in den 70ern pure Realität. Kräling wohnt im gleichen Quartier wie die Fahrer, spielt mit ihnen Tennis oder fährt Wasserski, macht Aufnahmen, wie die Familien im Pool plantschen.

„Monte Carlo ist für mich das Beste, das einem Foto- grafen passieren kann.” Ferdi Kräling

Man kennt sich. Man plaudert. Man sieht sich Auge in Auge - abseits und an der Rennstrecke. Kräling seufzt, denn Auge in Auge sei schon lange nicht mehr möglich. „Früher hatten die Fahrer noch Gesichter. Auf ihrer Stirn konnten wir Schweißperlen, auf ihren Wangen Dreck sehen. Wir sahen, ob ihre Augen vor Freude strahlten oder vor Wut funkelten.” Heute ersticke das Vollvisier sämtliche Emotionen. Vom Gesicht keine Spur.

Zwischen den Fotografen herrsche nicht mehr die gesunde Freundschaft von damals, sondern ein Hauen und Stechen. Von viel mehr Hobbyfotografen sei Kräling in den 70ern umgeben gewesen. Solche, die Spaß an der Geschwindigkeit und den Geräuschen in der Königsklasse des Motorsports gehabt und über den Fotoapparat einen Weg in das Sportmetier gesucht hätten.

Momentaufnahmen

Krälings Bilder sind Momentaufnahmen und doch erzählt jedes von ihnen eine Geschichte - von Tempo, Adrenalin, Männerträumen auf vier Rädern aber auch von Risiko und Gefahr. Tragische Unfälle spielen sich in 40 Jahren vor Krälings Linse ab. Autos brennen, überschlagen sich, rasen in Leitplanken. „Manch einen Fahrer habe ich vor dem Rennen oder Training noch gesprochen. Bis gleich, hat man gesagt, und dann kommt derselbe Fahrer aus der ersten Runde nicht mehr wieder. Das ist hart und schmerzt.”

503 Formel-1-Rennen hat der renommierte Fotograf in Bilder gefasst. Sie zieren Magazine, Zeitungen oder Kalender und dokumentieren 40 Jahre Renngeschichte in einem Buch. Sein Archiv besteht aus über 1,5 Millionen Motorsportmotiven. Jim Clark, Jochen Rindt, Stefan Bellof sitzen auf ihnen noch am Steuer. „Das waren Typen, das waren Gesichter mit Ausstrahlung.” Da könnte heute am ehesten Sebastian Vettel mithalten. „Das ist auch so ein Typ. Der bleibt auch mal stehen und macht einen Spaß mit.”

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