Datenpanne

Festplatte mit Patientendaten lag auf der Straße

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Foto: ddp

Lüdenscheid. Ein 19-Jähriger fand eine Festplatte mit unverschlüsselten Daten zu Erkrankungen von fast 200 Patienten auf dem Bürgersteig in Lüdenscheid. Die Klinikleitung sieht den Fall jedoch nicht so dramatisch.

„Was immer ich sehe und höre bei der Behandlung oder außerhalb der Behandlung im Leben der Menschen, so werde ich von dem, das niemals nach draußen ausgeplaudert werden soll, schweigen, in dem ich alles Derartige als solches betrachte, das nicht ausgesprochen werden darf.” Was Hippokrates 400 v. Chr. umständlich formuliert hat, bedeutet: Patientendaten sollten nicht auf der Straße liegen.

Eben dort hat sie der Iserlohner Abiturient Michael T. auf dem Heimweg von der Disco gefunden. Eine Festplatte mit unverschlüsselten Daten zu Erkrankungen von fast 200 Patienten lag auf dem Bürgersteig am Kurt-Schumacher-Ring. Der 19-Jährige - „ich fänd' es nicht gut, wenn mit meinen Daten so umgegangen würde” - ging damit zur Bild-Zeitung, die befragte Klinikleiter Prof. Dr. Christopher Kelm. Ein Mitarbeiter habe die Festplatte mit nach Hause genommen, dann sei bei ihm eingebrochen worden. Im November 2007. „Der Diebstahl ist bei der Polizei gemeldet”, wird Kelm zitiert.

Zweite Festplatte im Spiel

Einen Tag später weiß der Geschäftsführer der Märkischen Gesundheitsholding, zu der das Klinikum Lüdenscheid gehört, noch nicht viel mehr. Nur: Es gibt noch eine zweite Festplatte und damit eine mögliche Variante des Falls. „Es kann sein, dass es sich bei der gefundenen Festplatte um ein ausgetauschtes Exemplar handelt”, so Robert Schüwer. Die angeblich defekte und damit unlesbare Festplatte sollte eigentlich vernichtet werden.

Grundsätzlich sei es nicht gestattet, Patientendaten „mit aus diesen vier großen Wänden zu nehmen”, so Schüwer. Doch er weiß, dass Wunsch und Wirklichkeit nicht immer zusammengehen. „Natürlich gibt es ab einer bestimmten Position Mitarbeiter, die auch zu Hause arbeiten.” Wolle ein Arzt zum Beispiel einen Vortrag vorbereiten, geschehe das normalerweise nach der Arbeit.

Suche nach der Schwachstelle

Großartige Konsequenzen aus der Datenpanne am Klinikum will Schüwe nicht ziehen. „Mehr als verbieten kann man etwas nicht.” Natürlich werde man den Fall aufarbeiten, um die Schwachstelle im System zu finden.

Die Festplatte wird von der Polizei in Iserlohn zurzeit kriminaltechnisch untersucht. Bis Mittwoch Nachmittag gab es aber noch niemanden, der sie offiziell vermisste. Denn ein Diebstahl im November 2007 ist in den Polizeiakten nicht zu finden.

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