Interview

Fettes Brot - König Boris und die Liebesbriefe

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Hamburg. Die Hamburger Jungs von Fettes Brot kommen nach Arnsberg-Herdringen. Vorab hat König Boris mit uns über Ohrwürmer, Dendemann und alte Zeiten geplaudert. Ein Interview.

„Moin“, dieses kleine Wort am Nachmittag klingt doch gleich entspannt. König Boris, ein Drittel von Fettes Brot, ist gut drauf. Wie sollte es anders sein? Wer 18 Jahre lang musikalischen Frohsinn verbreitet, muss sympathisch sein. Fischkopp, klar. Aber kein Muffkopp. Man muss ihn einfach duzen.

„Erdbeben! Was geht’n?“ Heute habe ich schon den ganzen Tag dieses Lied im Kopf. Passiert dir das manchmal? Ohrwurm vom eigenen Lied?

König Boris: Nur bei den Solostücken der anderen beiden Jungs. „Ich lass’ dich nicht los“ von Björn ist zum Beispiel sehr hartnäckig. Das quält mich dann den ganzen Tag.

Was hilft dagegen?

König Boris: Unser Drummer hat mir den Trick verraten, laut „Hey Jude“ von den Beatles zu singen. Funktioniert. Ausprobieren.

"Jein“, ein Lied, das in Deutschland wahrscheinlich Zigtausende auswendig können, von der ersten bis zur letzten Zeile, auch morgens um halb vier. Warum ist es so erfolgreich im Kopf?

Zum einen geht’s um ein Thema, das jeder kennt. Die Tatsache, dass man zwischen zwei Dingen steht. Beides haben will, sich aber nicht nicht entscheiden kann. „Ich mein’, äh jein.“ Zum anderen hatten die Leute ja jetzt lange genug Zeit zum Üben. (1996 wurde das Lied zum ersten Mal veröffentlicht. 2010 in einer neuen Version.)

Achtest du beim Schreiben darauf, dass die Lieder leicht mitzusingen sind?

König Boris: Auf keinen Fall. Ich sitze doch nicht da und überlege mir beim Schreiben, wie sich meine Worte aus 1000 Kehlen anhören könnten. Das wär’ merkwürdig. Aber es ist das schönste Kompliment für einen Künstler, wenn dein Song 1000-fach mitgesungen wird.

Auch heute noch?

König Boris: Auch heute noch.

Gibt es denn heute auch noch so viel Fanpost wie früher? Die Mädels waren ja früher reihenweise verliebt - vor allem in Schiffmeister.

König Boris: Ich bin natürlich auch immer noch in ihn verliebt. Aber die klassische Fanpost - Briefe und so - ist viel weniger geworden. Früher kam die ja säckeweise. Heute läuft das eher per Mail und über das Online-Gästebuch.

Digitale Liebesschwüre. Hm.

König Boris: Du kannst uns ja trotzdem noch einen Brief schicken (lacht).

Äh, und nun zu etwas ganz anderem. Coolness, das ist im Hiphop ja immer Thema. Definiere bitte cool.

König Boris: Wer darüber nachdenkt, etwas Cooles zu tun oder cool zu sein, ist es mit großer Sicherheit nicht.

Gibt es denn trotzdem etwas, was früher cool und dir heute peinlich ist? Mode?

König Boris: Och, da gibt es schon eine Menge. Jeans mit Lederstreifen an der Seite oder diese fiesen MC-Hammer-Pumphosen: Obwohl die ja jetzt wieder modern sind (lacht über die eigene Erkenntnis). Man muss also nur alt genug werden, durchhalten, dann kommt alles wieder.

In Herdringen ist auch Dendemann dabei. Ward ihr schon in seiner Heimat Menden?

König Boris: Na klar! 1995 haben wir dort das gemeinsames Stück „Und ich geh’ nicht zum Arzt“ aufgenommen (Album: „Außen Top Hits innen Geschmack“). Das war in Menden. Wir freuen uns schon auf das Revival mit Dende im Sauerland. Er ist ein Hiphop-Urgestein, ein einzigartiger Wortakrobat. Und natürlich sind auch die Sterne dabei - großartige Texte und danciger Sound.

Also versprichst du Herdringen eine große Party?

König Boris: Klar! Wir lieben, was wir tun, auf der Bühne zu sein. Das spüren die ­Menschen. Es ist ein besonders schönes Gefühl, wenn die Leute mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause gehen und wir der Grund dafür sind.

Das Konzert in ­Herdringen findet im Schlosspark statt. Überall Wiese. Also kannst du den Regen gern im Norden lassen.

König Boris: Hey, Vorurteil! Hier scheint gerade die Sonne.

Die darfst du mitbringen.

Mit König Boris von Fettes Brot sprach Ilka Wiese.

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