Innenstädte

Gegen die Verödung: Die Stadt als eigene Marke

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Spielhallen, Ramschgeschäfte, Imbissbuden und höchstens ein paar einsame Filialisten: Viele Innenstädte steuern in den Abgrund. Zwischen vergammelten Gebäuden mit leerstehenden Ladenlokalen hält sich niemand gern auf. Doch es gibt auch kleine und mittlere Städte in NRW mit attraktiver Innenstadt.

Meschede hat keineswegs eine tote, vergammelte Innenstadt. Da gibt es viel abschreckendere Beispiele. Aber auch zwischen Henne und Ruhr sorgen sich Bürger und Politiker um die Zukunft. Der Grund: Nach der Schließung des Hertie-Kaufhauses vor drei Monaten fehlt einfach etwas in der Innenstadt. Ganz ähnlich sieht es beispielsweise ruhrabwärts in Herdecke aus. Gibt es Wege aus der Krise und gibt es eine Zukunft ohne Kaufhaus?

Die Antwort lautet: Ja. Das ist jedenfalls das Fazit einer Podiumsdiskussion mit Experten, die in Meschede Gründe für und Strategien gegen die drohende Verödung der Innenstädte präsentieren.

Den eigenen Weg finden

Der Schlüssel zum Erfolg liegt demnach in einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Stadt, Immobilienbesitzern und Geschäftsinhabern. „Es gibt kein Rezept”, sagt NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper. „Jede Stadt muss ihren eigenen Weg gehen. Manchmal reicht ein Glasdach über der Fußgängerzone, manchmal eine attraktive Beleuchtung der Fassaden. Das Wichtigste ist, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen und auch bereit sind, sich einzubringen.”

Individualität ist Trumpf

„Einkaufszentren sehen überall gleich aus. Die Individualität der Innenstädte herauszuarbeiten, das ist das Erfolgsgeheimnis”, sagt Jens Imorde, der seit 10 Jahren die NRW-City-Offensive „Ab in die Mitte” organisiert. Fest steht: Eine attraktive Innenstadt besteht aus einem bunten Angebotsmix aus inhabergeführten Geschäften, ergänzt durch Filialgeschäften sowie attraktive Ruhe- und Erholungszonen mit gastronomischen Angeboten. Dazu gehören aber auch Themen-Veranstaltungen, die individuell auf die Stadt zugeschnitten sind, und an denen sich alle Geschäfte beteiligen. „Die lokale Identität ist superwichtig”, meint Dr. Claudius Schmitz, Professor für Handel und Marketing. „Dabei sind die Hauptakteure die Händler und die Hausbesitzer.”

"Davon profitieren alle"

„Lieber miteinander als nur über einander reden”, empfiehlt der Bocholter Stadtbaurat Ulrich Paßlick. Seine Stadt hat es geschafft, ihre eigene Identität zu finden und ihre Innenstadt deutlich zu beleben: „Vor 10 Jahren hatten wir zu wenig und zu teure Verkaufsfläche. Dann haben wir den Arbeitskreis Innenstadt gegründet. Einzelhändler und Hausbesitzer haben sich zu einer Immobilien- und Standortgemeinschaft zusammengeschlossen, die Stadt hat Plätze und Wege umgestaltet. Davon profitieren heute alle.”

„Wichtig ist es, die Stadt zur eigenen Marke zu machen. Das geht, wenn alle zusammen arbeiten”, meint Jens Imorde. „Gefragt ist Kreativität: Ideen sammeln, Themen aufgreifen und zusammen umsetzen.”

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