Einsparungen

Gewaltopfer müssen für Schutz im Frauenhaus zahlen

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Hagen. Frauen, die von ihren Männern so verprügelt werden, dass sie in ein Frauenhaus flüchten, müssen ihren Aufenthalt in der Schutzeinrichtung selbst finanzieren. Der Tagessatz liegt - je nach Kommune - zwischen 8 und 65 Euro.

„Es ist ein Unding, dass die Opfer nach ihren schlimmen Gewalterfahrungen, auch noch für den Schutz, den sie bei uns bekommen, bezahlen müssen”, stellt Monika Hahne vom autonomen Frauenhaus in Arnsberg fest. „Diese Tagesfinanzierung ist äußerst problematisch”, ergänzt Marianne Knust vom Frauenhaus Ennepe-Ruhr, „es gibt sogar Frauen, die dringend eine Zufluchtmöglichkeit brauchen, aber den Aufenthalt bei uns nicht bezahlen können.”

Jährlich 5000 Frauen betroffen

Jährlich finden etwa 5000 Frauen mit ihren Kindern Zuflucht in einem der 62 landesgeförderten Frauenhäuser. Tendenz steigend. Trotzdem kürzte die schwarz-gelbe Landesregierung im Haushaltsjahr 2006 die gesonderte Förderpauschale für eine vierte Personalstelle in den Einrichtungen. Obwohl die Frauenhäuser aus allen Nähten platzen, müssen sie nun mit drei hauptberuflichen Kräften Tag und Nacht rund um die Uhr fortgeführt werden.

Finanziert wird die Arbeit der Häuser mit Mitteln des Landes, der Kommunen sowie durch die Einnahmen aus den Tagessätzen. Je niedriger die Zuschüsse, umso höher ist der Eigenanteil der Schutz suchenden Frauen. Lediglich bei Hartz IV-Bezieherinnen übernimmt die Kommune die Kosten. Marianne Knust: „Studentinnen, 400-Euro-Kräfte und Normalverdienerinnen müssen selbst bezahlen.”

Laschet pro individuelle Unterstützung

Dabei hatte NRW-Familienminister Armin Laschet beim „Internationalen Tag zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen” erklärt: „Frauen, die in einer Gewaltbeziehung leben, muss ein Ausweg aufgezeigt werden. Sie benötigen individuell unterschiedliche Unterstützung zu Bewältigung der aktuellen Lebenskrise.”

So gesehen ist es hilfreich, dass das Familienministerium mitteilt: „Der Haushaltsplanentwurf 2010 sieht für das Förderprogramm Frauenhäuser Ansatzmittel in unveränderter Höhe vor. 5 431 500 Euro wie im Haushaltsjahr 2009. Die Landeregierung plant keine Kürzungen in diesem Förderbereich.” Trotzdem werden die 62 Frauenhäuser am 25. November eine Initiative starten, die eine einheitliche Finanzierung ihrer Einrichtungen zum Inhalt hat. Monika Hahne: „Wir müssen weg von den Tagessätzen.”

Unterstützung durch Parteien sicher

Bei ihrer Forderung können sich die Frauen im Prinzip der Unterstützung aller Parteien sicher sein. Die hatten bereits im Frühjahr 2009 in einer gemeinsamen Erklärung festgestellt: „Von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder müssen jederzeit und unabhängig von der Verfügbarkeit eigenen Einkommens, aber auch unabhängig von Herkunft, Nationalität und Aufenthaltsstatus in akuten Gewaltsituationen unbürokratisch Platz in einem Frauenhaus angeboten werden.”

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