Grundschule

Herkunft entscheidet über Schulerfolg

Foto: ddp

Hagen/Dortmund. Bei der Auswahl für das Gymnasium werden Arbeiterkinder selbst bei gleicher Schulleistung deutlich benachteiligt. Das ergab jetzt ein Folgebericht zur Iglu-Grundschulstudie.

Ein Schüler mit höherer sozialer Herkunft hat demnach bei gleichen kognitiven Fähigkeiten und Leseleistungen eine fast drei (2,7) mal so große Chance, eine Gymnasialempfehlung durch den Lehrer zu erhalten, wie ein Kind aus einer unteren Schicht. In Nordrhein-Westfalen spielt die Herkunft eine noch größere Rolle; der Faktor liegt bei 3,1. Im Saarland und in Sachsen ist die Schichtenzugehörigkeit noch wichtiger, in fünf Bundesländern spielt sie indes gar keine Rolle.

Die Studie war vergangene Woche der Kultusministerkonferenz vorgelegt worden, soll aber erst in vier Wochen veröffentlicht werden. Spiegel Online und Süddeutsche Zeitung berichteten aber vorab; beiden lag die Studie vor.

Wilfried Bos, Professor an der Technischen Universität Dortmund und wissenschaftlicher Leiter der Iglu-Studie, bestätigte gegenüber dieser Zeitung die Ergebnisse. Und verteidigte die Grundschullehrer. „Die wissen doch, dass der mittelmäßig begabte Professorensohn mit Nachhilfe das Gymnasium packen kann, während das hochintelligente Migrantenkind ohne jede Hilfe der Eltern auskommen muss”, sagte Bos. Er forderte, dass - bei Beibehaltung des gegliederten Schulsystems - Grundschullehrer ein Kind im Zweifel auf die höhere Schule schicken sollten. Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE, sieht in der Studie einen weiteren Beleg für die Forderung nach längerem gemeinsamen Lernen.

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