Internet-Noten

Karl Halle für alle

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Hagen. Die Noten des berühmten Musikers Karl Halle kommen gemeinfrei in die Internet-Bibliothek Petrucci.

Karl Halle gehört zu den großen Musikerpersönlichkeiten Westfalens. Damit sein Werk endlich die gebotene Verbreitung findet, haben die Hagener Karl-Halle-Gesellschaft und Generalmusikdirektor Florian Ludwig eine bemerkenswerte Initiative gestartet: Sie stellen alle Kompositionen des berühmten Pianisten und Dirigenten zum freien Herunterladen ins Internet.

Der 1819 in Hagen geborene Karl Halle ist in England als Sir Charles Hallé besser bekannt als in Deutschland. Denn die von ihm 1858 gegründeten Philharmoniker von Manchester sind das älteste professionelle Sinfonieorchester Großbritanniens. Der berühmte Klangkörper heißt bis heute Hallé Orchestra.

In seiner westfälischen Heimat ist das Andenken Halles zwar präsent, dafür sorgt schon die Karl-Halle-Gesellschaft. Die Pflege seines Werkes ist jedoch bisher nicht allzu verbreitet, einfach, weil Halle als Komponist weniger populär ist und weil die Noten schwer zugänglich sind.

Das wollen GMD Florian Ludwig und die Halle-Gesellschaft nun ändern: „Als romantischer Komponist ist Halle nicht zu verachten. Unsere Idee ist es, die Noten in der Internet-Musikbibliothek Petrucci für jedermann zugänglich zu machen”, schildert Ludwig und ergänzt: „Karl Halle war in seiner Zeit auch ein sehr wichtiger Klavierlehrer. Daher sind seine Salonstücke gerade für bessere Laien gut darstellbar, das ist Musik, die gut klingt.”

Wertvolle fachkundige Hilfe leistet der Musikwissenschaftler Hans-Dieter Meyer, der das in Hagen ansässige Westfälische Musikarchiv ehrenamtlich mit seiner Kompetenz unterstützt. Meyer hat die Noten, die vorhanden sind, neu gesetzt und zum Beispiel das im Autograph überlieferte Streichquartett in Partitur gebracht, das Halle als 14-Jähriger in Hagen schrieb. Die vorhandenen Drucke sind gut lesbar und werden vorerst ins Netz gestellt, bis auch sie in einer moderneren Edition aus Meyers Hand vorliegen. „Wir werden sicher nicht den Stand einer historisch-kritischen Ausgabe erreichen, aber wir spielen auf hohem Niveau”, freut sich Ludwig.

Urheberrechtliche Probleme gibt es nicht, erläutert Hans-Dieter Meyer: „Die Rechte der Verlage sind alle längst erloschen.” Stefan Rewig, Vorstand der Karl-Halle-Gesellschaft, ist begeistert, dass der Musikwissenschaftler mit dieser zeitraubenden Arbeit ehrenamtlich die Ziele der Gesellschaft fördert: „Es wäre für unseren kleinen Verein unvorstellbar, ein solches Projekt zu finanzieren. Hans-Dieter Meyer hat mit solcher Leidenschaft und Akribie gearbeitet, das ist unschätzbar.”

Karl Halle wurde am 11. April 1819 in Hagen geboren und zog 1836 nach Paris, wo er mit Musikern wie Cherubini, Liszt und Chopin zusammenarbeitete. Während der Revolution von 1848 siedelte er mit seiner Frau und zwei Kindern nach London über und wurde dort schnell erfolgreich. Halle war der erste Pianist, der die Klaviersonaten Beethovens in England bekanntmachte.

In den Ritterstand erhoben

Ab 1853 wurde der Dirigent Leiter der „Gentlemen's Concerts” in Manchester, dort rief er kurze Zeit später eine eigene Konzertreihe ins Leben, aus der sich dann das Hallé Orchestra entwickelte, dessen Spielkultur rasch weithin gerühmt wurde. 1888 wurde er für seine Verdienste um das englische Musikleben als Sir Charles Hallé in den Ritterstand erhoben. Er starb am 25. Oktober 1895 in Manchester.

„Im Vordergrund unseres Projekts steht, die Musik von Halle zugänglich zu machen”, unterstreicht Florian Ludwig, der die Kompositionen nach und nach ins Netz stellt. „Möglich wird das, weil seit einiger Zeit auch Hobbymusiker Noten einfach im Internet kostenlos herunterladen können. Das freut die Verlage nicht unbedingt, ist aber gerade für die Musik von Halle wichtig, denn die würde derzeit so schnell keinen Verleger finden.”

www.imslp.org Dann über die Suchfunktion Charles Hallé eingeben.

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