Energie

Kommunales Unternehmen will RWE Netze abjagen

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Hagen. Die Hochsauerlandenergie GmbH, ein kommunales Unternehmen, will dem Energieriesen RWE in Meschede, Olsberg und Bestwig die Netze abnehmen. Streit gibt es um den Kaufpreis. Die Kommunen befinden sich jetzt in einem vertragslosen Zustand.

Es gleicht dem Kampf David gegen Goliath. Auf der einen Seite steht die Hochsauerlandenergie GmbH: ein kommunales Unternehmen, im Mai gegründet, an dem die drei Kommunen im Hochsauerlandkreis sowie die Stadtwerke Lippstadt je 50 Prozent halten. Auf der anderen Seite die RWE: ein großer Spieler am Energiemarkt. Doch die Sauerländer lehnen sich auf.

Seit der Nacht von Montag auf Dienst, 30. November auf 1. Dezember, Punkt null Uhr, sind Meschede, Olsberg und Bestwig in einem vertragslosen Zustand. Die drei Konzessionen über die Stromnetze sowie die Gaskonzession in Meschede sind Ende November abgelaufen. Keinem Energieversorger gehört damit derzeit das Wegenutzungsrecht, was auch zur Erhebung der Netznutzungsentgelte berechtigt. Die beiden Parteien konnten sich bisher nicht einigen. Zu weit liegen die Preis-Vorstellungen auseinander.

RWE pocht auf höheren Preis

Wie hoch diese genau ausfallen, darüber haben sie aber Stillschweigen vereinbart. Nur soviel: Die Hochsauerlandenergie veranschlagt den Ertragswert. Der rechnet die Kosten und Erlöse eines künftigen Netzbetriebs auf. Die RWE pocht dagegen auf den weitaus höheren Sachzeitwert. Der besagt, was die Neuerrichtung eines Netzes kosten würde - inklusive aller Leistungen bis zur Kabelverlegung. 50,8 Millionen Euro standen dafür am Anfang im Raum.

Die Entscheidung darüber, wer den Netzbetrieb übernimmt, ist dabei auch für die Verbraucher relevant. Bei Übernahme der Netze plant die Hochsauerlandenergie eine Tarifsenkung. „Wir gehen davon aus, dass wir effizienter als die RWE arbeiten und wollen die Netznutzungsentgelte senken”, sagt Geschäftsführer Christoph Rosenau. Die machten derzeit rund ein Viertel der Strompreise aus. Senken die Sauerländer die Entgelte, müssen auch Kunden anderer Versorger weniger zahlen. Derzeit kassiert die RWE die Entgelte.

1200 Kunden bereits gewonnen

Vor zwei Jahren hatten die Kommunen das Ende der Konzessionen veröffentlicht. Neben der RWE bewarben sich die Stadtwerke Lippstadt, die die eigenen Netze auch wieder in kommunale Hand gebracht haben, und die Stadtwerke Düsseldorf. Während diese schnell ausgeschieden waren, kristallisierte sich eine Kooperation mit Lippstadt heraus. Im Mai gründete sich die Hochsauerlandenergie. Seit Oktober vertreibt sie Strom und hat nach eigenen Angaben bereits 1200 Kunden gewonnen.

Trotz des ungeregelten Zustands sind Sorgen der Verbraucher aber unangebracht. RWE bleibt per Gesetz bis zu einem Jahr weiter Konzessionär. Auch die anderen Anbieter liefern wie gewöhnlich. Christoph Rosenau spekuliert indes mit einer Einigung bereits im Januar.

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