MRSA

Krankenhauskeime im Griff

Lesedauer: 3 Minuten
Patienten werden in Südwestfalens Kliniken auf multiresistente Viren untersucht.

Patienten werden in Südwestfalens Kliniken auf multiresistente Viren untersucht.

Foto: WR

Hagen.  Die Zahl der Infektionen durch resistente Krankenhauskeime (MRSA) ist in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen, in Südwestfalen allerdings nur marginal. In NRW erkrankten nach Angaben des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit seit Jahresbeginn 585 Patienten an den multiresistenten Keimen, die sich nicht mit üblichen Antibiotika behandeln lassen.

Im Vorjahreszeitraum waren es nur 431 – fast ein Drittel weniger. Die Anzahl der Infektionen unterscheidet sich in den einzelnen Kreisen stark – die Region Südwestfalen ist bis auf eine Ausnahme weniger betroffen. So erkrankte beispielsweise im Kreis Olpe nur ein Patienten seit Jahresbeginn an MRSA, im Vorjahreszeitraum gab es auch nur eine Infektion. In den anderen Kreisen Südwestfalens sieht es ähnlich aus, die Anzahl der Infektionen in diesem Jahr liegt im einstelligen Bereich. Nur im Märkischen Kreis gab es einen Anstieg – hier lag die Zahl der Infektionen im Vorjahreszeitraum bei 14, in diesem Jahr bei 23. Zum Vergleich: In Bochum stieg die Zahl von 9 auf 25 an, in Dortmund sogar von einer einzigen Infektion in der ersten Jahreshälfte 2010 auf 19 bisher in diesem Jahr. Bei den Zahlen ist allerdings zu beachten, dass es in den Großstädten mehr Krankenhäuser und somit mehr Patienten gibt.

Dr. Philipp Mueller, leitender Oberarzt für Innere Medizin am Allgemeinen Krankenhaus Hagen und Hygienebeauftragter erklärt, welche Maßnahmen seine Klinik zum Schutz vor dem Keim ergriffen hat: „Wir führen sogenannte Screenings bei der Aufnahme durch. Bei diesen Untersuchungen haben wir festgestellt, dass Patienten aus Altenheimen oder anderen Krankenhäusern häufig Träger des MRSA-Keims sind“. Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass der Patient infiziert oder erkrankt ist, er könne aber Andere infizieren. Die Infektionsrate sei etwa bei Diabetespatienten aufgrund von Wunden an diabetischen Füßen höher, so Mueller.

Auch in den drei Kliniken der Katholischen Krankenhaus Hagen gem. GmbH werden Untersuchungen bei Risikopatienten durchgeführt. Prof. Dr. Armin Laubert ist dort ärztlicher Direktor und oberster Hygieneverantwortlicher: „Risikopatienten sind unter anderem ältere Menschen und Patienten, die über einen längeren Zeitraum Antibiotika eingenommen haben, weil das zu Resistenzen führt.“ Diese keimtragenden Patienten müssen laut Laubert isoliert werden, damit sie niemanden anstecken. Die Katholischen Kliniken in Hagen planen derzeit eine Studie in Zusammenarbeit mit dem Hagener Gesundheitsamt, bei der alle Patientenneuzugänge, nicht nur Risikopatienten, auf den MRSA-Keim untersucht werden. Auch Hagens Kliniken stehen im NRW-Vergleich gut da: Die Zahl der Infektionen seit Jahresbeginn liegt bei 5 (Vorjahreszeitraum: 6).

Im bundesweiten Vergleich nimmt Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterrolle ein: NRW hat schon 1989 eine Krankenhaushygieneverordnung erlassen, die 2010 aktualisiert wurde. Das im Juni 2011 vom Bundestag angenommene Gesetz zum „Schutz vor Krankenhausinfektionen“ tritt im Juli bundesweit in Kraft.

In Deutschland infizieren sich jährlich bis zu 600 000 Menschen an Krankenhauskeimen, 15 000 sterben daran.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: WP-Info

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben