Drogenhandel in NRW

Mafia bringt Kokainhandel unter ihre Kontrolle

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Foto: archiv

Düsseldorf. Die italienische Mafia bringt den lukrativen Kokainhandel in NRW immer mehr unter ihre Kontrolle. Hierbei arbeiten nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) multinationale Mafia-Netzwerke zunehmend enger zusammen.

In der Antwort auf eine Große SPD-Anfrage weist die Landesregierung auf erhebliche Gefahren durch die Mafia hin. „Die hohen Profite der Organisierten Kriminalität und deren Reinvestition in den Wirtschaftskreislauf können zu einer ernsthaften Gefährdung des Wirtschaftslebens und der sozialen Systeme führen.”

Dem Landeskriminalamt liegen allerdings keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mafia in NRW bereits ebenso tief verwurzelt ist wie in Italien. Regionale Schwerpunkte der Mafia-Clans gibt es in den Räumen Düsseldorf, Bochum und Duisburg. In Duisburg kam es am 15. August 2007 zum bislang schwersten Delikt, als Mafia-Killer sechs italienische Mitglieder der kalabrischen Organisation 'Ndrangheta vor einer Pizzaria erschossen.

Drohung primär gegen italienische Landsleute

Überhaupt richtet sich die Drohung und Ausübung von Gewalt nach Polizeiangaben „vorwiegend gegen italienische Landsleute”. 2008 gab es in NRW insgesamt 58 Verfahren gegen die Organisierte Kriminalität (OK). Dabei ging es häufig um große Summen und Geldwäsche. So wurden bei der Festnahme eines Tatverdächtigen des Duisburger Sechsfachmordes 500 000 Euro Bargeld gefunden.

Die Polizeibehörden in NRW haben im Zeitraum 1999 bis 2009 circa 639 Millionen Euro an kriminellen Gewinnen vorläufig gesichert. Laut Landesregierung hat sich das „Geldwäschegesetz” mit dem Instrument der Verdachtsanzeigen als wirkungsvoll erwiesen.

Deutschland wird als Rückzugsraum geprüft

Im Rahmen der internationalen Bandenkriminalität nimmt die italienische Mafia derzeit allerdings nur Platz sechs der Tatverdächtigen ein: 21,5 Prozent der OK-Tatverdächtigen sind Deutsche, 20,9 Prozent Türken, 15 Prozent Libanesen, 4,7 Prozent Polen, 4,3 Prozent Rumänen und 4,2 Prozent Italiener. Die Landesregierung bestätigt, dass die Mafia Deutschland als Aktions- und Rückzugsraum prüft. Bisher gebe es aber keine Anhaltspunkte dafür, „dass der Standort Deutschland eine besondere Attraktivität für eine künftige nationale Ausbreitung der italienischen OK aufweist”.

Zur besseren Abwehr der Mafia-Gefahren hat das Bundeskriminalamt eine deutsch-italienische Einsatzgruppe zum Austausch von Informationen gebildet. Allein in NRW sind derzeit 800 Polizeibeamte in Kriminalhauptstellen und Landeskriminalamt bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität im Einsatz. In rund 60 OK-Verfahren wurden 2008 in vier Fällen verdeckte Ermittler eingesetzt.

Die EU will noch 2009 ein „Stockholmer Programm” verabschieden, um grenzüberschreitende Kriminalität im Bereich Menschenhandel, Wirtschaftskriminalität, Kinderpornografie, Terrorismus, Geldfälschung und Drogenkriminalität in Europa besser zu koordinieren. 2010 soll ein EU-Aktionsplan mit verschärften Gesetzen folgen.

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