TV-Krimi

Mauer des Schweigens

Foto: SANDRA HOEVER wp

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mainz. Das ZDF setzt die beliebte Krimi-Reihe Von Fall zu Fall mit Wolfgang und Stephanie Stumph fort.

Sie ist die erfolgreichste Krimireihe des ZDF. Und sie hat im Laufe der Jahre einen großen Wandel von der heiteren Familienunterhaltung hin zu einem Format gemacht, das brisante, zeitgemäße Themen aufgreift. Stubbe - Von Fall zu Fall: Sonnenwende (Sa., ZDF, 20.15 Uhr) ist der bislang eindringlichste Film der Reihe. „Der letzte ist immer der beste”, sagt Hauptdarsteller Wolfgang Stumph.

Die Leiche eines Vietnamesen am Hamburger Elbstrand führt Kommissar Wilfried Stubbe (Stumph) ostwärts in die idyllische Kleinstadt Elbermünden. Hier betrieb der Tote die Sportlerklause und galt seit einigen Wochen als vermisst. Schnell merkt Stubbe, dass im Ort die Rechten unter Lokalpolitiker Thorben Brennecke (Thomas Arnold) das Sagen haben. Sie veranstalten regelrechte Treibjagden auf Andersdenkende. Der Mordfall hat offenbar einen ausländerfeindlichen Hintergrund. Darin wird Stubbe auch von seinem Ex-Kollegen Karsten May (Alexander Radszun) bestärkt, der sich mit einem Bürgerverein gegen die Nazis wehrt…

Bestandsaufnahme

20 Jahre Mauerfall. Die Stubbe-Reihe - sowohl in der Familiengeschichte als auch in den beruflichen Herausforderungen des Kommissars immer schon gelebte Auseinandersetzung mit deutsch-deutschen Sichtweisen - macht zu diesem Anlass Bestandsaufnahme mit drei neuen Folgen aus unterschiedlichen Perspektiven. So wird es nach „Sonnenwende” in dem Krimi „In den Nebel” (19. Dezember) um eine Familie gehen, bei der der Tod des Oberhauptes und die Verantwortung für die an Alzheimer erkrankte Mutter lang unterdrückte Widersprüche hochspült. Oder in „Gegen den Strom” (16. Januar) um Skrupel, die Stubbe anlässlich einer Reise mit Kollege Zimmermann (Lutz Mackensy) in die alte Elbheimat Dresden befallen.

„Wir zeigen echtes Leben, greifen Themen auf, die die Menschen berühren”, erklärt Wolfgang Stumph. Und dazu gehört für ihn, den politisch denkenden Schauspieler, natürlich auch der Rechtsradikalismus im fiktiven Elbermünden, wo eine bedrückende Atmosphäre herrscht und der ernste Kommissar Stubbe bei unbequemen Fragen auf eine Mauer des Schweigens stößt.

Realer Fall als Grundlage

Ein realer Fall war für Drehbuchautor und Regisseur Peter Kahane Grundlage für den Krimi, der auf Gefühl setzt, um das Thema zu transportieren. „Ich hatte große Sorge, dass wir zwar einen anständigen Film gegen Rechtsradikalismus machen - aber der dennoch in Klischees und Absichten stecken bleibt”, sagt er. Dem ist nicht so. „Sonnenwende” ist ein Film gegen rechts, der offen zu Zivilcourage und Widerstand auffordert.

Vor 15 Jahren haben Peter Kahane und Wolfgang Stumph „Stubbe” erfunden. Über diesen Zeitraum wurden die äußerlichen Veränderungen der Darsteller, aber auch der gesellschaftliche Wandel widergespiegelt. „Wir sind mit Christiane erwachsener geworden”, sagt Menschendarsteller Stumph, dessen Tochter Stephanie (25) diese Chrissy seit ihrem neunten Lebensjahr spielt.

Auf 38 Filme aus der Reihe hat es Stumph bereits gebracht. Die 50 will er auf jeden Fall erreichen. Weitere TV-Projekte stehen für den 63-Jährigen an, und auch die Bühne lockt: Im fünften Jahr steht er als Frosch in der „Fledermaus” auf den Brettern der Semperoper. „Das ist eine große Ehre”, sagt der Dresdner.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik