Gymnasium

Mit G9 Schülern mehr Chancen bieten

Die Mehrheit der Gymnasien in NRW will ihre Schüler weiter in acht Jahren zum Abitur führen. Nur eine kleine Minderheit will zurück zu G9. Foto: dapd

Die Mehrheit der Gymnasien in NRW will ihre Schüler weiter in acht Jahren zum Abitur führen. Nur eine kleine Minderheit will zurück zu G9. Foto: dapd

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Siegen/Iserlohn.  Es ist eine Minderheit: 13 der 630 Gymnasien in NRW wollen zurück zu G9, der lange üblichen Schulzeit mit Abitur nach 13 Jahren. Die überwältigende Mehrheit bleibt beim 2005 eingeführten achtjährigen Gymnasium. Was hat die wenigen bewogen, den von der rot-grünen Landesregierung angebotenen Schulversuch zu beantragen? Nachfragen in Siegen und Iserlohn.

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Es ist eine Minderheit: 13 der 630 Gymnasien in NRW wollen zurück zu G9, der lange üblichen Schulzeit mit Abitur nach 13 Jahren. Die überwältigende Mehrheit bleibt beim 2005 eingeführten achtjährigen Gymnasium. Was hat die wenigen bewogen, den von der rot-grünen Landesregierung angebotenen Schulversuch zu beantragen? Nachfragen in Siegen und Iserlohn.

Oberstudiendirektor Paul Behrensmeyer vom Peter-Paul-Rubens-Gymnasium nennt pädagogische Gründe für die Entscheidung, die mit breiter Mehrheit von der Lehrerkonferenz und der Schulkonferenz beschlossen und von einer Elternbefragung bestätigt wurde: „G9 ermöglicht hochwertige Abschlüsse für möglichst viele Schüler, eine Individualisierung des Lerntempos und durch die Betonung der Kernfächer die Stärkung der wesentlichen Kompetenzen.“

Der Leiter des Siegener Ganztagsgymnasiums sieht in der zusätzlichen Zeit die Möglichkeit für differenzierte Förderangebote: „Die Lehrpläne werden dekomprimiert, schwächere Schüler haben mehr Lernzeit, stärkere Schüler können die Zusatzangebote in größerem Maße nutzen.“ Wer gute Leistungen bringt, kann auch im G9 sein individuelles G8 schaffen und die elfte Klasse überspringen. Oder die Oberstufen-Einführungsphase zu einem Auslandsaufenthalt nutzen. Diese wichtige Erfahrung machen seit der Einführung von G8 immer weniger Schüler. NRW-weit werden 50 Prozent Rückgang gemeldet, Behrensmeyer spricht gar von 80 Prozent. „Jetzt erst haben Schüler und Lehrer die Entscheidungsfreiheit“, sagt der Siegener Schuldirektor. „Bei der Einführung von G8 wurden sie doch gar nicht gefragt.“ Das ist für ihn das stärkste Argument für den Schulversuch, über dessen Genehmigung im Düsseldorfer Ministerium diese Woche entschieden werden soll.

Iserlohn ist ein spezieller Fall. „Wir haben G8 nie mitgemacht“, erklärt Jürgen Röske, Leiter des Internats und Geschäftsführer der Schule am Seilersee. Das liegt daran, dass es sich dabei bisher noch um ein Aufbaugymnasium handelt, das ab der siebten Klasse Schüler auch aus anderen Schulformen aufnimmt. Das wird sich nun ändern: Vom Schuljahr 2011/2012 wird es auch fünfte und sechste Klassen geben, der Name ändert sich in Privatschulgymnasium Seilersee. „Wir haben damit auf Wünsche von Eltern reagiert, die klagten, dass ihre Kinder gar keine Zeit mehr hätten“, sagt Röske. „Bei uns kommen sie am späten Nachmittag aus der Schule, aber sind dann mit allem fertig.“

Sie bleiben nicht im Internat? „In den ersten beiden Schuljahren wird es anders sein als bei den älteren Schülern“, meint Röske. Da rechnet er mit einem Tagesschüler-Anteil von zwei Dritteln. Anmeldungen laufen bereits. Und warum G9? „Weil es nie einen Grund für G8 gegeben hat“, sagt Röske. „G9 hat sich bewährt. Es bietet die Chance für ein Auslandsjahr. G8 war nur eine Panikreaktion auf die Pisa-Ergebnisse.“

Und warum bleibt dann die Mehrheit der Gymnasien dabei? „Weil der organisatorische Aufwand zu groß ist“, vermutet Jürgen Röske. „Weil G8 und G9 parallel laufen und es dann noch mehr Kuddelmuddel gibt.“ Paul Behrensmeyer sieht das ähnlich: „Die Schulen sind frustriert durch das ganze Hin und Her der Politik. Wer sich gerade mühsam, anfangs noch ohne verbindliche Lehrpläne in einigen Fächern, auf G8 umgestellt hat, hat keine Lust, wieder alles neu zu machen.“ Aber am Rubens-Gymnasium ist das anders? „Wir haben ein sehr motiviertes Kollegium, das rein nach pädagogischen Kriterien entschieden hat.“

Trotzdem sind 13 von 630 sehr wenig. Behrensmeyer hat dafür noch eine Erklärung: „Gymnasiallehrer sind eher konservativ. Und der Philologenverband hat seine Mitglieder parteipolitisch beeinflusst.“ Dass ein Festhalten am alten G9-Modell das eigentlich Konservative wäre - das ist wohl nur so eine naive Laien-Ansicht.

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