Seelsorge

Muslimische Notfallseelsorger sind eine Ausnahme

Foto: Lars Froehlich / WAZ FotoPool

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Hagen.Die Notfallseelsorge in Deutschland liegt fest in christlichen Händen. Doch bei einem steigenden Anteil an Muslimen in Deutschland sind die Seelsorger mit ihrem Latein oft am Ende. Muslimische Kollegen gibt es jedoch kaum. Lediglich in Köln, Mannheim und Berlin gibt es erste Projekte, die Muslime in die Notfallseelsorge integrieren wollen.

Wenn ein Notfallseelsorger zu einem Unfall gerufen wird, muss er vor allem eines können: Zuhören. „Meistens muss man einfach nur für die Angehörigen da sein“, sagt Pfarrer Wolfgang Bender, Beauftragter für Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn. „Die Situation mit den Angehörigen zusammen aushalten. Trösten.“ Das spirituelle stehe eben nicht immer im Vordergrund, bestätigt Thomas Lemmen von der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG) in Köln. „Nicht alle Christen wollen in so einer Situation beten.“ Wenn bei christlichen Angehörigen Glaubensfragen auftauchen, sind die evangelischen und katholischen Seelsorger gewappnet. Aber: „Ein Notfall ist keine Mission!“ Wenn sie es jedoch mit muslimischen Familien zu tun haben, würden sie gern die entsprechenden Kollegen alarmieren. Doch die sind in Deutschland Mangelware - auch 50 Jahre nach dem deutsch-türkischen Anwerbe-Abkommen.

Der Grund dafür sei in der Kultur zu suchen, erklärt Osman Akbal (36) aus Meinerzhagen. Er sei der einzige Notfallseelsorger mit islamischem Glauben im ganzen Märkischen Kreis. „Vieles wird bei uns im Familienverband geklärt“, sagt der 36-Jährige. „Den Begriff der Seelsorge gibt es im Islam nicht.“ Trotzdem sieht er es als seine Pflicht an, Menschen in Not zu helfen. „So wie es uns der Prophet Mohammed vorgelebt hat.“

Pionier in der muslimischen Notfallseelsorge

Deswegen war Osman Akbal auch einer der ersten, die sich 2009 für einen Seelsorgerkurs der Christlich-Islamischen Gesellschaft in Köln angemeldet haben. Schon zwei Kurse hat es dort für Muslime gegeben. „Das Interesse war riesig. Wir hatten 100 Anmeldungen. Statt acht Kursplätzen haben wir 40 eingerichtet“, erinnert sich Lemmen von der CIG. Mittlerweile gibt es auch Nachahmer in Dortmund. Erst in dieser Woche ist ein Buch der CIG über das Thema erschienen.

Doch Moslems in der Seelsorge bleiben auch in Südwestfalen vorerst die Ausnahme. „Man muss so viele Dinge beachten, die einem als Christ nicht so bewusst sind“, erklärt Thomas Lemmen. „Man stößt leicht an seine Grenzen, wenn man kein Moslem ist.“ Das fange bei der Sprache an, gehe über die Form des Betens weiter bis hin zu ganz praktischen Fragen: „Darf ich einfach in eine Moschee gehen?“, „Wie wird es aufgenommen, wenn ein männlicher Notfallseelsorger zu einer muslimischen Frau geht?“ Hinzu kommen gänzlich andere Rituale nach dem Tod eines Menschen und die ungewohnte Form der Trauer. „Für jemand Außenstehenden ist es dann schwierig, mit Muslimen richtig umzugehen“, glaubt Osman Akbal. „Auch wenn ich im Märkischen Kreis 24 Stunden am Tag in Bereitschaft bin: Ich hoffe, dass dieser Tag nie kommen wird, an dem ich so eine schlimme Nachricht überbringen muss.“

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