Kriminalität

Nach Uhrenfund schlägt die Stunde der Kripo

Tatortfoto einen Tag nach dem Mord.

Tatortfoto einen Tag nach dem Mord.

Foto: WP

Hagen.   18 000 Seiten reihen sich in den auf vier Meter Länge aufgereihten Aktenordnern aneinander, mehr als 1800 Hinweisen ist die Mordkommission Bergruthe nachgegangen, jetzt zeichnet sich die ­erste konkrete Spur ab, die zu den Mördern des Hagener Immobilienkaufmannes Wolfgang Schepp führen könnte.

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18 000 Seiten reihen sich in den auf vier Meter Länge aufgereihten Aktenordnern aneinander, mehr als 1800 Hinweisen ist die Mordkommission Bergruthe nachgegangen, jetzt zeichnet sich die ­erste konkrete Spur ab, die zu den Mördern des Hagener Immobilienkaufmannes Wolfgang Schepp führen könnte.

Der Laternenzug hatte sich in den Abendstunden des 9. Novembers 2006 gerade durch das Hagener Wohnquartier Emst geschlängelt, als der 56-Jährige in seiner repräsentativen Nobelvilla Opfer eines spektakulären Raubmordes wurde. Zwei maskierte Gestalten hatten im Gebüsch des Anwesens der Lebensgefährtin des späteren Opfers bei ihrer Heimkehr aufgelauert und sie mit brutaler Gewalt gezwungen, die Täter mit ins Haus zu nehmen. Dort traf das Duo auf den Hausherrn, der gerade nackt aus der Untergeschoss-Sauna trat und sich prompt zur Wehr setzte. Im Rahmen eines Handgemenges fielen zwei Schüsse. Eine Kugel durchbohrte die Lunge des Multimillionärs, der verletzt zu Boden sank und hilflos verblutete.

Derweil wurde die damals 52-jährige Lebensgefährtin gezwungen, den Tresor im Schlafzimmer zu öffnen, wo die Raubmörder reichlich Schmuck und vor allem hochwertige Uhren erbeuteten. Eines dieser Stücke ist, wie Kriminalhauptkommissar Ralf Neumann aus ermittlungstaktischen Gründen erst jetzt bestätigte, bereits 2009 im europäischen Ausland aufgetaucht. Seitdem versuchen die Hagener Ermittler - im Zeitalter internationaler Rechtshilfeersuchen eines der letzten großen Abenteuer des 21. Jahrhunderts - den Weg der Edel-Uhr quer durch Europa nachzuverfolgen. Je näher die Kripo den potenziellen Tätern dabei rückt, desto zurückhaltender werden die Zeugen.

Schillernde Vergangenheit des Opfers

Angesichts der schillernden beruflichen und auch privaten Vergangenheit des Opfers, mischte die Hagener Mordkommission über Monate auch die gesamte Rotlichtszene des Ruhrgebietes auf. Denn der gelernte Kfz-Elektriker, der als Händler von Edel-Karossen schon sehr früh den Kontakt zum Milieu fand und durch den Verkauf einer äußerst erfolgreich prosperierenden Dentalfirma Millionen verdiente, hatte zuletzt als Immobilien-Kaufmann auch immer wieder Kontakte in die Halbwelt gepflegt und keine Berührungsängste gezeigt, dort lukrative Geschäfte zu machen. Mit seinem hemdsärmeligen Auftreten machte er sich jedoch nicht nur Freunde, so dass die Ermittler lange Zeit einen Racheakt oder gar einen Mordauftrag nicht ausschließen mochten. Obwohl es zu 13 Verhaftungen kam, mussten am Ende alle Verdächtigen wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

DNA-Spuren

Kriminalhauptkommissar Neumann geht daher weiterhin davon aus, dass der Mord an Wolfgang Schepp, vor dessen Tür mehrere Ferraris in einem Garagenpark standen, der auch öffentlich keinen Hehl daraus machte, die Brusttaschen voller Bargeld zu haben und dessen Villa-Wände nicht nur Schumacher-Bilder, sondern gelegentlich auch einmal ein Monet aus der eigenen Kunstsammlung zierte, Opfer eines aus dem Ruder gelaufenen Raubüberfalls wurde. Bislang konnten die zahlreich am Tatort gesicherten DNA-Spuren noch keinem Täter zugeordnet werden. Doch die Netze der Hagener Kripo sind weiterhin international ausgelegt.

Bis heute erreichen Hinweise zu ähnlich gelagerten Tatmustern die Mordkommission Bergruthe und werden akribisch abgeglichen. Dass jetzt das erste Beutestück aufgetaucht ist zeigt, dass die vermutlich vom Balkan stammenden Täter sich allmählich aus der Deckung trauen: „Die Täter sollten eines nicht vergessen - Mord verjährt nie“, bleibt der Chefermittler optimistisch, dass die Fahnder die Mörder fassen werden. „Die Zeit arbeitet für uns.“

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