Concept Plane von Airbus

Nur Himmel über den Köpfen

Airbus Concept Plane

Airbus Concept Plane

Foto: unbekannt

Toulouse/Sundern. Transparente Flugzeugrümpfe, sich selbst reparierende Flügeloberflächen, Sensoren, dank denen jede Turbulenz umflogen wird: Mit radikal neuen Ideen will Airbus das Fliegen revolutionieren. Der Flugzeugbauer prüft derzeit, welche Ideen eines Forscherteams in die nächste Passagierjet-Generation eingebaut werden könnten. Axel Krein, gebürtiger Westfale, zeichnet als Forschungschef bei Airbus in Toulouse für ein „Concept Plane“ verantwortlich, das weltweit für Aufsehen sorgt.

Wir schreiben das Jahr 2050. Noch ist der Urlaubsflieger im Landeanflug auf den Dortmunder

Flughafen, doch die nächsten Passagiere für den Rückflug sind schon eingestiegen: Statt in Warteräumen auf das Boarding auszuharren, steigen die Fluggäste schon im Flughafengebäude in ein Kabinen-Modul, verstauen ihr Handgepäck über den Sitzen, schnallen sich an und lassen die Sicherheitsinstruktionen über sich ergehen. Mit großen Staplern werden die containerartigen Kabinenmodule zum Flugzeug auf das Rollfeld gefahren und dort in den Rumpf geschoben.

Nach Erreichen der Reiseflughöhe begrüßt der Kapitän seine Gäste – und schaltet Teile der Außenhaut des Airbus in den Panorama-Modus. Nicht mehr nur ein kleines Fensterchen erlaubt den Blick nach draußen, jetzt wird die gesamte Seite des Flugzeugrumpfs durchsichtig wie Glas. Auch Teile des Fußbodens und des oberen Kabinenteils sind transparent. Freier Blick auf Sternenhimmel und die Alpen garantiert.

Mittlerweile hat sich ein halbes Dutzend weiterer Flugzeuge zum Formationsflug gefunden. Wie ein Vogelschwarm machen sich die Jets auf den Weg in den Süden. Anschnallzeichen während des Fluges braucht der Airbus nicht: Laser und Infrarotsensoren erkennen schon Meilen im Voraus Turbulenzen und lotsen den Flieger entweder drumherum oder formen Tragflächen und Rumpf so um, dass Thermik-Löcher sanft ausgeglichen werden.

Sollten im Rumpf durch Spannungen Risse entstehen – kein Problem: Schon während des Fluges werden sie mit einem speziellen Kleber repariert. Platzende Nanopartikel machen die selbstreparierende Außenhaut möglich.

Ein Szenario, das einem Science-Fiction Roman entstammen könnte. Doch tatsächlich gehört es zum „Concept Plane“ des Flugzeugbauers Airbus, einem Modell, das der Zukunft des Fliegens in dreißig, vierzig Jahren „ein Gesicht geben soll“.

Wir wollten radikale Veränderungen. Wir haben jedes Detail im Flugzeug angefasst. Und wir haben unseren Ingenieuren bewusst keine Grenzen gesetzt“, sagt der oberste Airbus-Forscher Axel Krein. Herausgekommen ist in dem rund dreijährigen Prozess eine lange Liste mit Visionen, die fantastisch klingen, aber nicht unrealistisch sind. „Wir haben die Latte sehr hoch gehängt, so hoch, dass man fast nicht drüber springen konnte. Erst dann strengt man sich richtig an“, beschreibt Krein seine Vorgehensweise.

Nichts von all den Ideen ist Selbstzweck – sondern drei Prioritäten untergeordnet. „Es geht um Energieeinsparung, mehr Umweltverträglichkeit und höheren Passagierkomfort“, listet Axel Krein auf. Es wird auch künftig das Standard-Flugzeug geben, das Passagiere effizient von A nach B fliegt. „Daneben aber könnte es Flugzeuge mit Hyperschallantrieb für den eiligen Geschäftsreisenden geben, der in zwei Stunden von hier nach Australien fliegt“, kann sich der Airbus-Forscher vorstellen.

Das könnte mit Flugzeugen geschehen, die die Atmosphäre verlassen. Und es wird, so glaubt Krein, ähnlich wie exklusive Kreuzfahrten auf den Weltmeeren auch solche mit Flugzeugen geben. Diese „Kreuzfahrer der Lüfte“ sind mit Wellness-Tempeln, Restaurants und Beobachtungsstationen ausgestattet und jetten mit ihren Passagieren um die Welt.

Die transparenten Rümpfe sind dabei alles andere als reine Fantasie-Produkte von Jules-Vernes-Fans. „Es gibt heute schon Glas, das man elektrisch milchig werden lassen kann. Etwas Ähnliches stellen wir uns mit Spezial-Keramik vor“, erläutert Krein. Noch ist dies wie viele andere Neuerungen höchstens im Labor vorstellbar. Doch bis zur übernächsten Flugzeug-Generation könnte vieles bis zur Serienreife entwickelt worden sein.

Dem Primat der Sicherheit folgt das Ziel der Energieeinsparung. Und weniger Energieverbrauch bringt mehr Umweltschutz. Das Concept Plane hat die Triebwerke in den Rumpf integriert, was mehr Auftrieb gibt und so Energie spart. Nebeneffekt: Die Jets werden leiser, sowohl für die Insassen als auch die Menschen am Boden, denn die Auslässe der Turbinen weisen nach oben.

Statt mit Kerosin aus Erdöl sollen die künftigen Flugzeuge mit einem Gemisch aus Biotreibstoff fliegen, der aus Algen gewonnen wird. „Die Algen können sogar in Brackwasser gezüchtet werden“, betont Axel Krein, dass die Biomasse für Flugbenzin nicht in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln treten soll. Energierückgewinnung aus der Abwärme der Passagiere und Solarenergie sollen ebenfalls in den Flugzeugen eingesetzt werden.

Tatsächlich ist der Antrieb der riesigen Flieger eine der größten Herausforderungen: Elektroantriebe kommen nicht infrage: viel zu schwach, viel zu schwere Batterien. Gleiches gilt, sagt Axel Krein, auch für Wasserstoff-Antriebe. Hier macht das hohe Volumen des Wasserstoffs das Fliegen unrentabel. Daher setzt man weiter auf die fast konventionelle Lösung des Kerosins mit Biotreibstoffanteilen. Zum Sommerflugplan will Airbus zusammen mit Lufthansa auf der Strecke Hamburg – Frankfurt dieses Gemisch im Dauerbetrieb testen. Spriteinsparung soll auch der Formationsflug bringen – das Prinzip hat man sich bei den Kranichen abgeschaut.

Angesichts der weiter steigenden Zahl von Flugreisen muss auch am Boden die Infrastruktur mithalten. Krein glaubt jedoch nicht, dass dafür mehr und größere Flughäfen nötig sind. Standzeiten der Flieger verkürzen – z.B. durch die Beladung mit Kabinen-Modulen – und eine optimierte Logistik schaffen, lauten die Vorschläge der Forscher.

„Das Fliegen in dreißig, vierzig Jahren wird sehr anders sein als heute“, ist Axel Krein sicher. Nur eines dürfte bleiben: Der ungewöhnlich hohe Verbrauch an Tomatensaft über den Wolken. Dieses Phänomen blieb auch für die Airbus-Forscher bislang unerklärlich.

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