Campus Symposium Iserlohn

Öko und Geldverdienen - das geht

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Iserlohn. Beeindruckend ist es jedes Jahr, was die Studenten der BiTS zum Campus Symposium auf die Beine stellen. Aber dieses Mal punkten die Iserlohner nicht nur mit gelungener Organisation und berühmten Gästen - heute kommt Tony Blair -, sondern auch mit dem perfekten Thema für diese Zeit.

„Future Needs Competence - Green Business 2009”. heißt es. Die Business and Information Technology School ist eben sehr international. Frei übersetzt heißt das Motto: Zukunft braucht Kompetenz, dann lassen sich auch mit Ökologie und Nachhaltigkeit Geschäfte machen. In diesem Sinne äußerten sich eigentlich alle Umwelt-, Technik- und Wirtschaftsexperten. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der Stargast des gestrigen Tages, ging sogar noch weiter: Nur durch dramatisch mehr Effizienz bei der Rohstoffverwendung ließen sich langfristig überhaupt noch Geschäfte machen. Ansonsten hätte der Planet angesichts des Bevölkerungswachstums und der wachsenden Industrialisierung in den Schwellenländern wenig Zukunft.

Gern übernahm Gabriel deshalb die Schirmherrschaft für den neuen BiTS-Studiengang „Green Business Management”, begeistert sprach er vom Beschäftigungspotenzial auf den Feldern erneuerbare Energien und Energieeffizienz: „Das liegt bis 2020 oberhalb von zwei Millionen neuen Arbeitsplätzen.” Das einzige Problem dabei sei die Qualifikation der Menschen: „In den nächsten Jahren werden in Deutschland 70 000 Ingenieure fehlen.”

Ganz ähnlich äußerte sich Prof. Fritz Vahrenholt, der bei RWE künftig jedes Jahr eine Milliarde Euro in erneuerbare Energien investieren wird, hauptsächlich in Windparks in der Nordsee. Er zeigte sich optimistisch, dass schon 2020 der Strom in Deutschland zu 30 Prozent aus regenerativer Energie kommen könne. Hier müssten die Techniken entwickelt werden, um das CO2-Wachstum weltweit zu bremsen. Aber: „Dazu braucht Deutschland energietechnische Exzellenz statt Technikphobie. Wir brauchen eine Bildungsoffensive, müssen wieder Freude an den Naturwissenschaften entfachen.” Und beim nächsten Symposium hoffe er, Elektroautos statt dicker BMWs zu sehen.

Letzteres werden die Iserlohner Studenten wohl nicht so gerne gehört haben. 20 von ihnen sind seit einem halben Jahr mit der Vorbereitung beschäftigt, 200 Volunteers, genannte Freiwillige, helfen in diesen Tagen mit. Sponsoren sind neben dem Eintrittsgeld von 1200 Euro ganz wichtig zur Finanzierung der Veranstaltung, haben überall in der 400 Quadratmeter großen Zeltlandschaft, die den gut 1000 Teilnehmern Platz bietet, ihre Stände aufgebaut. Und die örtliche BMW-Vertretung hat 40 Limousinen bereitgestellt, die den gut funktionierenden Shuttle-Service von den beiden Parkplätzen zum Campus bewältigen.

„Ohne China verlieren wir das Klimaschutzrennen.”

Ernst Ulrich von Weizsäcker

Es funktionieren auch die Technik und die Gastronomie, die Sicherheit und alles andere. Freundlich und effizient läuft das beim fünften Mal seit dem Start 2005. Dabei sind jedes Jahr neue Studenten im Team. Engagierte junge Leute, die auch die Nerven behalten, wenn Windböen die Zeltwände strapazieren und die Aschenbecher im eigens angelegten Rauchergärtchen umwerfen und wenn die auf große Leinwände geworfenen Tagungsbilder schwindelerregend zu schwanken beginnen.

Aber Wind ist ja auch gut für die grüne Zukunft. Obwohl Prof. Stephan Schüller im Gespräch mit WESTFALENPOST-Chefredakteur Bodo Zapp betonte, mit einer weiteren Verspargelung des deutschen Binnenlandes sei nicht zu rechnen, Kleinanlagen seien weniger lohnend als Offshore-Windparks. Schüller muss es wissen. Er ist ein Privatbankier, der beweisen will, dass Öko und Geldverdienen kein Widerspruch ist: „Wir investieren, weil wir für unsere Kunden Geld verdienen wollen. Da ist knallharte Profitorientierung wichtig.” Und auf Zapps Frage, ob erneuerbare Energie wirklich so ein Zuwachsmarkt sei: „Ohne wird es nicht gehen, deshalb muss es am Ende eine lohnende Veranstaltung sein.” Schüller ist auch Gründungsgesellschafter des Ökostromanbieters „Lichtblick”, der inzwischen profitabel arbeitet.

Vielleicht hätte den Banker auch interessiert, was am Vormittag Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Mitbegründer des Wuppertal Instituts, zu Hintergründen der Finanzkrise sagte. Für die seien keineswegs nur Spekulanten verantwortlich, sondern der Umgang mit Energie und Umwelt in den USA seit den 80er Jahren. Unter Präsident Reagan seien die extrem spritfressenden Autos aufgekommen und es habe eine beispiellose Zersiedlung begonnen. Als dann 2007 die Ölpreise gestiegen seien, hätten die Fernpendler Probleme bekommen und ihre Häuser an Wert verloren - mit den bekannten Folgen für die Hypotheken und den Rest.

Weizsäcker fordert heute einen Global Green New Deal, eine Revolution in der Ressourceneffizienz: „Wenn es noch einmal einen weltweiten Wachstumszyklus gibt, wie die bisherigen von der Dampfmaschine bis zu IT und Biotech, dann muss der ökologisch sein.” Dabei gehe es auch darum, wo die künftigen Machtzentren der Welt seien. Er hoffe, in Deutschland und Europa. Und in China: „Denn ohne China verlieren wir das Klimaschutzrennen.”

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