Der schwarz-gelbe Wahnsinn

Pokalduell beim BVB mit Briloner Dynamo-Fanklub

Ein Kult-Objekt: Der Trabi des Fanklubs.

Ein Kult-Objekt: Der Trabi des Fanklubs.

Foto: WP

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Brilon.Das Gefährt steht da, wo es immer steht. Vor der Garage von Uwe Klein in Brilon. Kein normales Auto, sondern ein Trabant, lackiert in Schwarz und Gelb. Nummernschild: HSK-DY 53. Das steht für Dynamo und das Gründungsjahr des traditionsreichen Dresdner Fußballvereins.

Eigentlich könnte heute einer dieser seltenen Tage sein, an denen das fahrende Kultobjekt seinen Platz im Sauerland verlässt. Uwe Klein ist mit dem Ding mal bis nach Dresden gefahren, um die Mannschaft nach einem Spiel darauf unterschreiben zu lassen. Alle waren informiert, nur die Spieler nicht. Er holte die Sache ein anderes Mal nach, mittlerweile sind jedoch fast alle Signaturen der Witterung anheim gefallen. Aber heute, heute könnte ein großer Tag sein. Borussia Dortmund, der deutsche Fußball-Meister, empfängt Dynamo Dresden, den Zweitligisten, um 20.30 Uhr (ZDF live) zum DFB-Pokalspiel. Dortmund ist viel näher als Dresden. „Aber er ist nicht mehr der zuverlässigste“, sagt Klein über das Kfz. „Er stottert ein bissel. Ist zu riskant.“

Dummköpfe gibt es überall

In vielerlei Hinsicht. Schließlich wird heute Abend in Dortmund der Wahnsinn los sein, wenn Schwarz-Gelb auf Schwarz-Gelb trifft. 10 000 Dresdner Fans werden im Stadion erwartet, mindestens 60 000 Borussen. Es wird, so behauptet es die Internetseite des BVB, das bestbesuchte Zweitrundenspiel in der Geschichte dieses Wettbewerbs werden. Doch unter die Freude mischen sich Sorgen, der Deutsche Fußball-Bund hat die Partie als Risikospiel eingestuft. Ein kleiner Teil der Dynamo-Fans genießt einen zweifelhaften Ruf, unter anderem weil Dynamo-Anhänger das Spielfeld nach den Relegationsspielen gegen Osnabrück stürmten und im Umfeld der Partie gegen Frankfurt für Krawalle sorgten. Sie hatten im Stadion versucht, zu den Gästefans vorzudringen und lieferten sich nach der Partie Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dortmund ist gewarnt, statt 600 Sicherheitskräfte sind 750 im Einsatz.

„In allen Vereinen gibt es diese Dummköpfe“, sagt Uwe Klein, „die ruinieren das Image von Dynamo.“ Es ist ein kahlköpfiges, fieses Image. Dabei ist Dresden so viel mehr. Ein Verein, für den Klein, Vorsitzender des Fanklubs „Sauerländer Dynamos“, in dieser Saison schon vier Mal zu Heimspielen gefahren ist. 480 Kilometer eine Strecke. Es hätten gern mehr Spiele sein dürfen, aber die eigene Selbstständigkeit und die Termine der zweiten Liga lassen nicht mehr zu. Umso mehr ist heute ein Feiertag für ihn.

Manchmal, wenn Klein schwarzgelbe Entzugserscheinungen hatte, ist er einfach nach Dortmund gefahren und hat sich ein Spiel angesehen. Nun spielt sein Verein in diesem Fußball-Tempel. „Wenn wir gewinnen“, sagt er, „dann steht für mich fest, dass wir auch ins Finale kommen. Auf dem Weg dahin schlagen wir die Bayern, im Finale Schalke und spielen nächstes Jahr Europa League.“ Pause. Er lacht beim Gedanken an das viele Geld, das in die Kassen des klammen Klubs fließen könnte. „Ein bisschen träumen wird man ja wohl noch dürfen, oder?“

Die Vorfreude auf einen selten schönen Abend spricht aus ihm. „Es wird ein Fest werden“, sagt er, „ein friedliches Fest.“ Er selbst trägt seinen Teil dazu bei. In einem Bus fahren er und vier weitere Dynamos zum Spiel. Mit dabei: vier Bekannte. Allesamt große Dortmund-Fans. Und die hätten ja auch gar nicht mehr in den Trabi gepasst.

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