Bargeld lacht

Probleme mit der EC-Karte

Foto: ddp WNM

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Hagen. 66 Euro bitte, sagt die Sprechstundenhilfe beim Tierarzt.

Nichtsahnend die EC-Karte herausgeholt, Geheimzahl eingegeben und auf Ok gedrückt. Die Reaktion: „Kartenfehler”. Beim zweiten Versuch dasselbe. So ähnlich ergeht es seit Neujahr 30 Millionen deutschen Bankkunden, die eine EC- oder Kreditkarte mit Sicherheitschip besitzen.

Der Kunde steht im Regen: Wenn die Karte nicht funktioniert, hat er entweder kein Geld auf dem Konto oder ist ein potenzieller Betrüger. Kein schönes Gefühl. Vor allem, wenn man gerade das bestellte Essen aufgegessen oder den Tank randvoll mit Sprit gefüllt hat, nun aber nicht bezahlen kann. Genau so geht es seit Jahresbeginn vielen EC- und Kreditkartenbesitzern.

Dabei liegt der Fehler eindeutig beim Hersteller der Karten - und bei den Geldinstituten, die offensichtlich Karten ohne ausreichende Prüfung in Verkehr gebracht haben. „Natürlich sind die Karten geprüft worden”, wiegelt Stefan Marotzke vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Berlin ab. „Wir glauben an die Chiptechnologie und tun alles, damit die Kunden so schnell wie möglich wieder bequem zahlen können.” Bei der Kontrolle der Karten und der Software wurde aber offenbar nicht geprüft, dass nach dem Jahr 2009 unweigerlich das Jahr 2010 kommen würde - genau darin aber liegt der Fehler. Die neuen Chips kennen das Jahr 2010 nicht.

Am Bankschalter gibt es nicht viel Entgegenkommen. Nachdem der Angestellte erst eine mechanische Beschädigung des Chips und dann magnetischen Einfluss unterstellt, zuckt er die Achseln. Er habe keine Instruktionen, was er Kunden sagen solle, deren Karten nicht funktionieren, gibt er schließlich zu. „Alles, was ich weiß, habe ich in der Zeitung gelesen und in den Nachrichten gehört.”

Im Handel ist die Stimmung angespannt. Manche Karten funktionieren, manche nicht. An manchen Kartenterminals klappt alles wie am Schnürchen, an anderen nichts. In den Kassen werden kleine Banknoten knapp, denn seitdem die meisten Bankautomaten wieder funktionieren, holen sich die Kunden große Mengen Bargeld, um mitten in der Karten-Panne nicht völlig mittellos da zu stehen.

„Bei uns funktionieren alle Karten”, berichtet Roland Urban von der Westfalen-Tankstelle. „Aber viele Kunden zahlen jetzt mit großen Scheinen, das ist schon ungewöhnlich, denn meist wird bei uns bargeldlos bezahlt. Ein Mann wollte sogar mit einem 500-Euro-Schein zahlen, obwohl wir die nicht akzeptieren.” Auch die Märkische Bank in Hagen gibt bekannt, ihre Karten seien nicht betroffen. Glück gehabt - aber leider habe ich dort kein Konto.

Bis Montag sollen alle EC-Terminals wieder funktionieren, versprechen die Geldinstitute. Zumindest im Inland - wer ins Ausland fährt, sollte sich mit Bargeld und Reiseschecks eindecken. Und Belege über Fremdgebühren aufbewahren: Die deutschen Geldinstitute versprechen, sich bei der Übernahme von Kosten für das Geldabheben an fremden Banken kulant zu zeigen.

„Wir wollen vermeiden, Millionen Karten auszutauschen und arbeiten fieberhaft an der Lösung des Problems”, beteuert Stefan Marotzke in Berlin. „Wir wollen unseren Kunden nicht auch noch zumuten, neue PIN-Codes zu lernen.” Ob das gelingt, ist allerdings sehr fraglich. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat offenbar auch Probleme mit ihrer EC-Karte. Sie hat die Geldinstitute ermahnt, „mehr Sorgfalt an den Tag zu legen.” Immerhin.

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