Jugendschutz

Rammstein droht im Streit mit Dortmund Zwangsgeld

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Foto: AFP WP

Dortmund. Der Rammstein-Song "Ich tu dir weh" steht auf dem Index. Wenn die Band ihn bei ihren beiden ausverkauften Konzerten am Wochenende spielt - egal ob mit oder ohne Gesang - droht ihr ein Bußgeld von der Stadt - 10.000 Euro pro Musiker.

Der „Neuen Deutschen Härte” von Rammstein, so der in Branchenkreisen formulierte Musikstil von Deutschlands umstrittenster Rockband, will die Stadt Dortmund mit behördlicher Härte begegnen. Sie droht den Mitgliedern der Gruppe vor ihren beiden ausverkauften Konzerten in der Westfalenhalle am Samstag und Sonntag mit einem Zwangsgeld.

Stein des Anstoßes ist das Lied „Ich tu dir weh”, das dafür verantwortlich ist, dass das Album „Liebe ist für alle da” seit dem vergangenen November auf Antrag des Bundesfamilienministeriums auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien steht. Das Dortmunder Ordnungsamt, so dessen Leiter Ortwin Schäfer, habe die Band gebeten, eine Erklärung zu unterschreiben, in der Westfalenhalle besagtes indiziertes Stück nicht „aufzuführen” - weder gesanglich noch instrumental. Bei ihren Doppelkonzerten in Köln im vergangenen Jahr hatte Rammstein nämlich getrickst: Wie behördlich gefordert, sang die Formatation das Skandal-Lied nicht - dirigierte aber und begleitete die textsicheren Fans auf ihren Instrumenten.

Ordnungsverfügung der Stadt Dortmund

Weil die Band über ihren generalbevollmächtigten Anwalt aus Hamburg wenige Tage vor den Dortmunder Konzerten ausrichten ließ, die geforderte Erklärung nicht zu unterschreiben, wird sie heute Morgen eine Ordnungsverfügung der Stadt Dortmund „zur sofortigen Vollziehung” erreichen. Demnach muss jedes Bandmitglied ein Zwangsgeld von 10.000 Euro zahlen, sollten Text und/oder Musik von „Ich tu dir weh” im Rund der altehrwürdigen Westfalenhalle zu hören sein.

Die „Profi-Provokateure”, über die der Spiegel kürzlich schrieb, dass sie „auf dem schmalen Grat” balancierten, „der die Freiheit der Kunst vom Schutz der Jugend trennt”, wollen dagegen klagen. Eingefleischte Rammstein-Fans, die fälschlicherweise im Internet verbreiten, dass die strengen Auflagen nach Intervention des NRW-Familienministeriums auferlegt wurden, sprechen in Foren von einer „Zensur”.

Mitarbeiter in der Halle

„Samstag und Sonntag werden Ordnungsamts-Mitarbeiter in der Halle sein und genau zuhören”, kündigt Behördenleiter Schäfer an. Er will „bei allem Respekt vor künstlerischer Freiheit” die Provakationen nicht einfach so durchgehen lassen: „Auch wenn ich jetzt als spießig gelte: Aber diese Art der Verbindung von Sexualität und Gewalt gehört nicht vor Jugendlichen dargeboten. Die will ich hier nicht haben.”

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