Römer und Raubgräber

Hagen/Münster. Vor 2000 Jahren haben römische Offiziere mitten im Herzen Westfalens Austern geschlürft. Mit der Varus-Schlacht im Jahr 9 nach Christus ist das Kapitel Römer in Germanien noch lange nicht abgeschlossen. ...

... Das dokumentieren aufregende neue Funde.

So haben Archäologen bei Oldenrode im Kreis Northeim ein Schlachtfeld entdeckt. Hier sind Römer und Germanen zwischen dem Ende des 2. und der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. aufeinander getroffen. Dieser Jahrhundertfund belegt: Nach der Niederlage von Varus´ Legionen war das römische Heer keineswegs komplett aus dem "Barbaricum" verschwunden.

Handelsbeziehungen mit den rechtsrheinischen Gebieten hat es stets gegeben, auch nachdem das römische Imperium im Jahr 16 n. Chr. Germanien aufgegeben hat. "Aber es gab immer mal Vorstöße über den Limes. Unter dem Soldatenkaiser Maximinus Thrax ist ein solcher Zug überliefert. Es ist ein schöner Zufall, dass man nun zu den Vermutungen passend diesen kleinen Kampfplatz entdeckt hat", freut sich Dr. Rudolf Aßkamp, Experte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe für römische Archäologie und Leiter des LWL-Römermuseums in Haltern.

Das Schlachtfeld bei Oldenrode ist durch Zufall freigelegt worden. Von einem Zivilisten, einem Sondengänger. In seinem Fall hatten die Forscher Glück, denn der Bürger meldete sich, und die Wissenschaftler konnten in aller Stille und ohne große Öffentlichkeit die Stelle sichern. In der Regel haben Archäologen ein gespanntes Verhältnis zu privaten Hobby-Forschern. "Im schlimmsten Fall sind das Raubgräber, die ihre Funde im Internet verkaufen", argumentiert Aßkamp. "Es ist verboten, sich eine Metallsonde zu kaufen und damit loszuziehen. Das nimmt leider zu."

Die spektakulären Römerfunde an der Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) sind ebenfalls durch einen Sondengänger ans Tageslicht gekommen - der unter der Aufsicht der Denkmalbehörde unterwegs war. Jetzt legen die Archäologen eine Zwischenbilanz vor.

Die Münzen, Gewandspangen, Schuhnägel und Spuren von Backöfen aus Barkhausen deuten ziemlich sicher auf ein Militärlager, das die Römer während der Eroberungskriege unter Kaiser Augustus, zwischen 12 vor und 16 n. Chr., in Germanien errichtet haben. Die Truppen haben vermutlich jeweils nur kurz in Barkhausen Station gemacht und bei ihren Stopps in Lederzelten übernachtet. Ein 2000 Jahre alter eiserner Zelthering gibt davon Zeugnis.

Auch Bleilote haben die Archäologen gefunden, wie sie römische Vermessungs-Ingenieure verwendeten. Denn selbst die Anlage der nur kurz genutzten Marschlager musste sorgfältig geplant werden - immerhin campierten tausende Soldaten darin.

Zeitlich könnte das Marschlager zur Varusschlacht passen. Ob nun der Feldherr, dessen Niederlage in die Geschichtsbücher eingegangen ist, vor seiner letzten Schlacht in Barkhausen eine letzte Schale Suppe getrunken haben mag, bleibt der Phantasie überlassen. Noch hat die Stelle nicht alle ihre Geheimnisse verraten. Und neue Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Aßkamp: "Es braucht uns nicht zu wundern, wenn in den nächsten Jahren weitere Funde auftauchen. Es bleibt spannend."

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