Sauerland international

Rohre für die russische Raumstation kommen aus Schmallenberg

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Die Geschäftsbeziehungen der russischen Luft- und Raumfahrt reichen bis ins Sauerland

Die Geschäftsbeziehungen der russischen Luft- und Raumfahrt reichen bis ins Sauerland. Nicht nur derGuss-Spezialist Tital aus Bestwig erhält Aufträge aus dem Reiche Wladimir Putins. Die Transfluid Maschinenbau GmbH aus Schmallenberg hat jetzt - in Krisenzeiten - den größten Einzelauftrag der Firmengeschichte bekommen - von der Firma Energia aus Moskau.

Darüber freuen sich die Geschäftsführer Ludger Bludau und Burkhard Tigges. Als führender Hersteller für Rohrbearbeitungsmaschinen hat sich Transfluid in den vergangenen 20 Jahren weltweit am Markt etabliert. Vor allem für den Bau von Sonderlösungen ist Transfluid in der Branche bekannt. Kunden sind Autozulieferer, Schiffbauer und Maschinenbauer, die Möbelindustrie, die Chemieindustrie sowie Spezialisten für Haus- und Medizintechnik. Und nun auch die Luft- und Raumfahrtindustrie.

Das Unternehmen Energia, einer der drei größten russischer Hersteller für Luftechnik und Raumfahrt mit Sitz in Moskau direkt neben dem Kreml, hat Transfluid den Großauftrag beschert. „Dieses Projekt der Modernisierung wurde von den höchsten Stellen der russischen Regierung genehmigt”, berichtet Burkhard Tigges. Ministerpräsident Putin habe persönlich an der Entscheidung mitgewirkt, die zugunsten der Sauerländer Spezialisten auf dem Gebiet der Rohrbearbeitung fiel.

Rohre in riesiger Anzahl stecken in allen Systemen für die Luft- und Raumfahrt, zum Beispiel in einem Raketentriebwerk. „Dafür gibt es eine komplette Fertigungszelle”, beschreibt Bludau den Umfang des Auftrags. Alle Rohre sind Speziallegierungen aus Titan, Magnesium und Aluminium, „weil sie in der Raumfahrt nichts wiegen dürfen”.

Damit alles zusammenpasst, liefert Transfluid das komplette Logistiksystem: angefangen beim Lager über Orbital-Trennsysteme, Rohrbiege- und Endbearbeitungsmaschinen bis hin zu Reinigungsanlagen sowie Markier- und Laser-Messsystemen. „Das Volumen liegt bei zwei Millionen Euro”, so Bludau. „Das ist aber erst der Anfang, der Kunde braucht noch mehr.” Ab dem nächsten Frühjahr werden die Rohre für Raketen und Satelliten für die internationale Raumstation aus Maschinen von Transfluid kommen.

Bei einer Messe in Moskau vor zwei Jahren hat Transfluid erste Kontakte zu den Russen geknüpft. „Man muss ständig trommeln”, meint Burkhard Tigges. Messen, Werbung und die Händler in 25 Ländern sorgen für Aufträge. „Es hat sich herumgesprochen, dass Qualität aus Schmallenberg kommt.” In Bangkok hat Transfluid ein eigenes Büro aufgebaut, um von dort aus die Händler in Asien zu bedienen. Welcher Partner aus der Welt im Unternehmen zu Gast ist, symbolisieren die Flaggen vor dem Gebäude. Sie flattern kräftig im Wind.

Es gibt wieder Lichtblicke

„Es gibt wieder Lichtblicke in der Wirtschaft”, sind sich die beiden Geschäftsführer sicher. Am Beispiel ihres Erfolgs wollen sie „positive Stimmung in den Schmallenberger Raum hineintragen. Wir wollen dokumentieren, dass es nicht überall bergab geht, sondern auch bergauf”. Zwar werde der US-Markt wohl weiter schwierig sein. Bessere Perspektiven für die Firma mit ihren 85 Mitarbeitern böten aber der asiatische, der brasilianische und vor allem der russische Raum.

„Wir haben keine Krise”, zieht Ludger Bludau Bilanz. Der Grund dafür liege in der breiten Produktpalette des Unternehmens. Schwung gibt ihnen der größte Einzelauftrag in der Firmengeschichte - und ihre Philosphie: „Man muss immer versuchen, über den Tellerrand hinauszuschauen. Oder den Tellerrand so definieren, dass man ihn gar nicht sieht”, so Burkhard Tigges.

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