Wintersport

Rummel bis in die Nacht vertreibt Eulen

Ein Spaziergänger allein vertreibt die Tiere noch nicht. Flutlicht und Musik bis spät in die Nacht schon.

Ein Spaziergänger allein vertreibt die Tiere noch nicht. Flutlicht und Musik bis spät in die Nacht schon.

Foto: dapd

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Vor einer ungehemmten Intensivierung des Sport- und Freizeitbetriebs in den Wintersportgebieten Südwestfalens hat der Vorsitzende des Landschaftsbeirats im Hochsauerlandkreis, Johannes Schröder, gewarnt.

Dagegen sieht der Winterberger Tourismusdirektor Michael Beckmann seine Stadt ökologisch gut aufgestellt. Allein, der Tagestourismus schaffe „Verkehrs- und Umweltprobleme, die man nicht wegdiskutieren kann“.

„Wir erleben eine Verrummelung der Landschaft mit Action bis in die Nachtstunden. Früher war im Winter um 17 Uhr Schluss, da wurde es dunkel“, sagt Schröder. ­Besonders störend für den Naturschutz ist demnach die „massive Ausdehnung von Flutlichtanlagen“, die teilweise zusätzlich beschallt würden.

Als Beispiel nennt Schröder das Gebiet Sternrodt in Olsberg und den Bödefelder Hunaulift, der in einem Naturschutzgebiet liegt. „Der Lärm vertreibt das hier stehende Rotwild“, sagt der in Marsberg lebende Ökologe. Noch nicht untersucht sei, wie sich Licht und Lärm auf Großvögel wie Kolkrabe, Eule und den dort wieder ausgesiedelten Auerhahn auswirke.

Nicht nur der rege Winterbetrieb bereitet den Naturschützern im Sauerland Sorge. Laut Schröder gehen die Liftbetreiber dazu über, ihre Anlagen über das ganze Jahr zu betreiben. Als Beispiele nennt der Marsberger die Pisten an Ruhrquellenlift und Bremberg, die schon jetzt im Sommer mit Kettcars befahren würden.

Weniger Anstoß nimmt der heimische Naturschutz an der flächendeckenden Beschneiung der Pisten in der Wintersportarena Sauerland. Nach Erkenntnis des Leiters der Biologischen Station im HSK, Werner Schubert, helfen die extensiv genutzten und nicht gedüngten Skihänge sogar, konkurrenzschwache Pflanzenarten wie den Bärlapp zu erhalten. Gleichzeitig böten sie gefährdeten Arten wie der Warzenbeißer-Heuschrecke Lebensraum. Allerdings warnt Schubert vor Überbeanspruchung. „Mit dem Anlegen von Buckelpisten wie an der Winterberger Kappe werden diese Arten wieder vernichtet“, sagt der Biologe.

Landschaftsbeirat Schröder kritisiert, dass der Naturschutz bei Planungen selten eingebunden wird. „Wir wollen den Wintersport doch nicht lahm legen“, sagt er. Bei einer rechtzeitigen Beteiligung des Naturschutzes könnte in den meisten Fällen ein für alle tragbarer Interessenausgleich gefunden werden. Als gutes Beispiel nannte Schröder die Verlegung von Leitungen für Schneekanonen an der Winterberger Kappe. Dort seien die Trassen mit Hilfe eines ökologischen Bauleiters umweltverträglich angelegt worden.

Winterbergs Tourismusdirektor Michael Beckmann wäre es am liebsten, wenn alle Tagestouristen mit der Bahn ins Sauerland kämen. Tatsächlich fahren die meisten mit dem eigenen Auto. Um die Anreise mit dem Zug attraktiver zu machen, will die Stadt den unansehnlichen Bahnhof und angrenzende Flächen modernisieren. „Schließlich hat der Bahnhof eine Entree-Funktion für Winterberg“, sagt Beckmann.

Fest steht für den Tourismusdirektor aber auch, dass die Ferienregion ohne Autotouristen nicht leben kann. „Bleiben die Tagestouristen weg, verlieren wir 50 Prozent unserer Einnahmen“, rechnet Beckmann vor.

Um die Belastung zu begrenzen, hat die Stadt ein Verkehrs-Leitsystem erstellt. Ziel ist es laut Beckmann, den Individualverkehr so weit wie möglich zu lenken und zu steuern. Dafür soll unter anderem ein mit der Kreispolizei aufgestelltes Stau-Management ­sorgen.

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