Erneuerbare Energien

Schatten über der Sonnenseite

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Düsseldorf/Meschede. Die Entwicklung und Nutzung von erneuerbarer Energie schreitet sprunghaft voran. Was vor Jahren eine unbedeutende Nebenrolle im Energiemix spielte, entwickelt sich zum Wachstumsmarkt. Die Sache hat nur einen Haken: Der Branche fehlt das Personal.

Beim Südwestfälischen Energietag am 16. September in Meschede stehen Themen wie alternative Energieformen ganz vorn auf der Tagesordnung. Der Energiegewinnung aus Biomasse, Wind, Wasser, Gezeiten oder aus Sonnenlicht gehört offensichtlich die Zukunft. Ob Strom oder Wärme für Industrie, Gewerbe und Haushalte: Die Effekte von Umweltverträglichkeit und Kosteneffizienz multiplizieren sich. Kein Wunder, dass die meisten Deutschen in den erneuerbaren Energien die Zukunft sehen.

Doch obwohl Unternehmensberater wie Lothar Grünewald aus Düsseldorf der Branche sogar das Potenzial zur Ablösung des Maschinen- und Autobaus als Leitindustrie prophezeien, wirkt sich der notorische Fachkräftemangel gerade dramatisch aus: „Bis 2030 fehlen bis zu 500 000 Fachkräfte”, sagt Grünewald. „Das sind keine sonnigen Aussichten.”

Bundesumweltminister Gabriel glaubt gar, dass bis zum Jahr 2020 zwei Millionen Arbeitsplatze in diesem Bereich entstehen - doch wer die Arbeit machen soll, bleibt ungeklärt.

Ingenieure gesucht

Die Energieversorgung der Zukunft wird sich von zentraler auf eher dezentraler Versorgung entwickeln. Dr. Torsten Amelung, Geschäftsführer von Statkraft Germany - der norwegische Energieversorger ist unter anderem Projektpartner von Mark-E beim Gas- und Dampfturbinenkraftwerk Herdecke - geht aber davon aus, dass die Produktion von Anlagen der erneuerbaren Energiegewinnung eher global als regional ausgerichtet wird. „Wir sollten also nicht unbedingt nur auf die Arbeitsplätze im Anlagenbau für erneuerbare Energie schauen”. Dr. Frank-Michael Baumann, Chef der Energieagentur NRW, sieht darin keinen Widerspruch und konstatiert „ein großes Potenzial für NRW”. „Derzeit sind rund 3200 Firmen mit 21 000 Mitarbeitern in diesem Bereich aktiv und erwirtschaften 5,5 Milliarden Euro.”

Prof. Dr. Dieter Oesterwind, Leiter des Zentrums für innovative Energiesysteme der Fachhochschule Düsseldorf, hält es durchaus für möglich, dass die Hochschulen ihre Kapazitäten ausweiten und in Zukunft genug Nachwuchskräfte zur Verfügung stellen können. „Zur Konstruktion des Getriebes einer Windkraftanlage benötigt man einen Maschinenbauingenieur: Wir dürfen nicht vergessen, dass auch in Zukunft klassische Ingenieure gefragt sind.” Oesterwind sieht vor allem Wind und Solarthermie als Gewinner und glaubt an die Zukunft des elektrischen Stroms. Überrascht konstatiert er aber, dass ein Teil der angehenden Ingenieure heute seine Zukunftschancen viel eher in der Atomkraft sehen: „Früher war jeder Student ganz heiß auf alternative Energien, heute gibt es einen vernehmbaren Trend zur Kernenergie.”

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