Brauchtum

Schützen in Olpe werfen Frau aus Verein

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Kreis Olpe.   In Olpe ist eine Diskussion über die Tradition in Schützenvereinen entbrannt. Der Grund: Einer der dortigen Vereine hat eine Schützin aus seinen Reihen verbannt. Nach 35 Jahren. Weil die Satzung Frauen als Mitglieder verbietet.

Frauen sind in den Schützenvereinen im Kreis Olpe überall gern gesehene Gäste, bejubelte Königinnen oder auch Zierde des Hofstaates. Nur eines sollen sie nicht sein: Vereinsmitglieder.

Gut, es gibt Ausnahmen. In Finnentrop dürfen Frauen Mitglied sein. In Hünsborn hat es eine Frau sogar bis zur Bezirkskönigin gebracht - und das in einer traditionsreichen Bruderschaft. Das war eine viel bestaunte Einzelleistung.

Genau so eine Einzelleistung hat jetzt in der Kreisstadt Olpe der Diskussion über Frauen als Schützen (oder müsste es Schützinnen heißen?) Zündstoff gegeben.

Vereinsführung betont, sich „satzungskonform“ zu verhalten

Es geht um eine 52-jährige Frau aus Olpe, die seit 35 Jahren Mitglied des Schützenvereins ist. Seinerzeit war ihr Papa Schützenkönig und sie schaffte es, den damaligen Olper Schützenmajor zu bewegen, sie als Mitglied aufzunehmen. Das Recht im Festzug mitzumarschieren war ihr allerdings von Anfang an ebenso verwehrt wie das Recht, auf den Vogel zu schießen.

Jetzt ist es auch mit der Mitgliedschaft vorbei. Der Olper Schützenverein, traditionsbewusst und seit nunmehr 700 Jahren (fast) ohne Frauen in den Reihen der Mitglieder, hat nach einem Gespräch zwischen dem Major als Vereinsvorsitzendem und der Olperin geklärt, dass sich der Verein satzungskonform zu verhalten hat. Und in der Satzung, so Major Paul Imhäuser, sei nun einmal eindeutig festgehalten, dass Mitglied nur werden kann, wer das 16. Lebensjahr vollendet hat und - männlichen Geschlechts ist.

Das habe, sagt der Major, die schützenfestbegeisterte Olperin auch akzeptiert. Bei manch anderem aber scheint es die Diskussionsfreude angestachelt zu haben. Ob man angesichts Anti-Diskriminierungsgesetz überhaupt noch jemanden von einer Vereinsmitgliedschaft ausschließen dürfe, wird gefragt. Was denn mit der Mitgliedschaft von Männern in einer Frauengemeinschaft sei, lautet die Gegenfrage.

Die Schützen gehen das Problem pragmatisch an. Jeder Verein muss das in seiner Satzung für sich regeln, sagt der stellv. Kreisoberst Markus Bröcher. Und wenn es eines Tages so ist, dass Frauen (kraft Gesetz) Mitglied werden dürfen, so sieht es Olpes Major, hat der Verein wohl statt 5200 bald mehr als 9000 Mitglieder.

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