Bahnverkehr

Täglich sollen 46 Züge mehr rollen

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Der Güterverkehr in NRW nimmt weiter zu - Südwestfalen soll nun zur Ausweichstrecke für Züge werden. Foto: NRZ

Der Güterverkehr in NRW nimmt weiter zu - Südwestfalen soll nun zur Ausweichstrecke für Züge werden. Foto: NRZ

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Hagen.  Mehr Güterzüge durch Südwestfalen: Dafür spricht sich der Verkehrsverband Westfalen aus.

Grund ist, dass es bereits heute in Nordrhein-Westfalen vielerorts Engpässe im Schienennetz gibt. Daher empfiehlt der Verkehrsverband Westfalen, die Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen über Siegen und Gießen zur Ausweichstrecke Richtung Süddeutschland zu machen.

Das geht aus einer Studie hervor, die der Verkehrsverband in Auftrag gegeben und nun der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Mitglieder im Verkehrsverband sind Städte und Kreise, Industrie- und Handelskammern sowie Unternehmen und Privatpersonen. Darunter sind auch die Kreise Südwestfalens, zudem unter anderem die Städte Hagen, Olpe, Soest, Brilon, Meschede und Olsberg, die SIHK zu Hagen sowie die IHK Arnsberg und Siegen.

Der Studie zufolge verfügt Nordrhein-Westfalen zwar über das dichteste Schienennetz in Europa. Doch heute bereits sei an 74 von knapp 700 Streckenabschnitten die Grenze der Leistungsfähigkeit überreicht - oder überschritten. Und zwar insbesondere auf den Hauptachsen durchs Ruhrgebiet und entlang der Rheinschiene.

Bis zum Jahr 2025 jedoch soll der Verkehr auf der Schiene weiter zunehmen, im Durchschnitt um 17 Prozent mehr Züge täglich. Der Güterverkehr wächst am stärksten. Für die Beseitigung der Engpässe in NRW seien Investitionen von 3,8 Milliarden Euro notwendig, die aber nicht zur Verfügung stünden, heißt es beim Verkehrsverband.

Also schlagen die Autoren der Studie vor, die derzeit wenig ausgelastete Ruhr-Sieg-Strecke als Ausweichroute „relativ kostengünstig“ zu nutzen. Selbst wenn man darauf verzichte, die starken Steigungen abzuflachen, könne die Strecke von Hagen über Siegen bis Gießen die Rheinschiene enorm entlasten, wenn zumindest die Tunnel für die großen Containerzüge erweitert würden, heißt es in der Studie.

Was aber würde das für die Anwohner bedeuten? Stefan Peltzer vom Verkehrsverband Westfalen rechnet vor: Auf der Strecke zwischen Nachrodt und Plettenberg verkehren derzeit 125 Züge pro Tag. Davon 67 Personenzüge und 53 Güterzüge. „Die Strecke ist nur zu 66 Prozent ausgelastet“, so Pelzer. Manch andere Strecke in NRW dagegen zu mehr als 110 Prozent. „Auf der Strecke könnten aber auf jeden Fall 46 weitere Züge pro Tag fahren“, so Pelzer.

Ohne, dass der Personenverkehr darunter leidet, versichert Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn in NRW. „Der Gesamtverkehr ist auf der Strecke nicht an der kritischen Grenze. Da passt noch eine Menge Güterverkehr hinein.“

Was aber ist mit dem Lärm? „Die modernen Personenzüge der Bahn hört man kaum“, so Lothar Ebbers. „Ein Güterzug dagegen - der kündigt sich schon zwei Kilometer im Voraus an“, räumt er ein. „Und in den engen Tal-Lagen hängt der Lärm drin.“ Im Bestand gebe es keinen Anspruch auf Lärmschutz, lediglich wenn die Strecke ausgebaut werde, also zum Beispiel Tunnel für Güterzüge erweitert werden.

Vielleicht ist der Lärm der Güterzüge am Ende das kleinere, umweltfreundlichere Übel. Pelzer: „Wenn das Nadelöhr auf den Schienen immer enger wird, dann wird der Güterverkehr zwangsläufig auf die Straße gedrückt.“ Also wohl wieder auf die A 45.

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