Behördendeutsch

Unkraut statt „ausufernder Spontanvegetation“

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Soest/Bochum.Deutsch ist bekanntermaßen eine schwere Sprache. Und dann noch die ganzen Dialekte! Bayrisch, Sächsisch, Österreichisch kennt und versteht man ja noch. Switzerdütsch ist da schon schwieriger. Beim Behördendeutsch jedoch ist der Wortschatz der meisten Menschen überfordert.

„Die Ladung von Beteiligten ist als untunlich zu unterbleiben, da diese zweckmäßigerweise durch Übersendung von Ablichtungen über Form und Inhalt der vorliegenden Erklärung von Todes wegen unterrichtet werden.“ Solche Bandwurmsätze fanden sich vor weniger als zehn Jahren auch noch in Schreiben vom Kreis Soest. „Jetzt möchten wir aber, dass unsere Bescheide bürgerfreundlich formuliert sind“, sagt Pressesprecher Wilhelm Müschenborn und übersetzt: „Ich habe den Angehörigen des Verstorbenen eine Kopie des Testamentes zugeschickt. Ein persönliches Erscheinen vor Gericht ist deshalb nicht erforderlich.“ Warum schwierig, wenn es einfach geht?

Nach ersten eigenen Verbesserungsversuchen hat sich die Kreisverwaltung Soest vor vier Jahren Hilfe von Fachleuten der Ruhruniversität Bochum geholt. Michaela Blaha und Hans-Rüdiger Fluck versuchen mit ihrem Projekt IDEMA (Internet-Dienste für eine moderne Amtssprache) seit zehn Jahren, das Behörden-Kauderwelsch zu entwirren. Mittlerweile hat sich IDEMA als eigene Firma ausgegliedert.

Das, was Michaela Blaha und ihre Mitarbeiter fordern, sollte eigentlich selbstverständlich sein: „Ein Bescheid muss eine klare Struktur haben. Der Bürger muss verstehen, was die Behörde von ihm verlangt, und welche Rechte er hat“, erklärt sie. Dazu solle sich der Verfasser in die Rolle seines Lesers hineinversetzen, das Wichtigste an den Anfang stellen und präzise und verständlich formulieren. Allerdings, weiß auch Wilhelm Müschenborn, trauen sich viele Behördenmitarbeiter nicht, die Dinge so zu schreiben, wie sie gemeint sind: „Natürlich müssen die Texte rechtssicher sein. Da stellen sich viele Mitarbeiter dann die Frage: Kann ich das so einfach ausdrücken?“

Aber: Ist die Aufforderung nach einer „Restmüllbehältervolumenerhöhung“ juristisch richtiger, als „eine größere Mülltonne kaufen“? Was bitte ist eine „Ablichtung“, wenn eigentlich nur eine „Kopie“ gebraucht wird? Wo wächst „Spontanvegetation“, wo „Unkraut“?

Am Ende müssen die Texte juristisch, sprachlich und inhaltlich geprüft werden. Dann erst kann man sie ohne Bedenken verschicken. „Für einen Bescheid brauchen wir im Durchschnitt 20 Arbeitsstunden“, sagt Blaha über die Datenbank von IDEMA, in der sich mittlerweile 300 aufbereitete Texte befinden.

Am Ende jedoch erspart ein sprachlich überarbeiteter Bescheid allen Seiten Arbeit und Ärger. Die Bürger ärgern sich nicht mehr über verkorkste Sätze, die Beamten nicht mehr über aufgebrachte Anrufer.

Der Prozess hin zum verständlichen Behördendeutsch ist laut Michaela Blaha langwierig. Auch Wilhelm Müschenborn sagt: „Das ist eine Daueraufgabe.“ Darum hat es sich eine Mitarbeiterin im Soester Kreishaus zur Aufgabe gemacht, ihre Kollegen bei sprachlichen Fallgruben zu beraten. Ein besonderes Training erhielten auch die Auszubildenden in der Verwaltung, sagt Wilhelm Müschenborn: „Damit sich die verstaubten Floskeln gar nicht erst im Kopf einpflanzen.“

Deutsch ist bekanntermaßen eine schwere Sprache. Und dann noch die ganzen Dialekte! Bayrisch, Sächsisch, Österreichisch kennt und versteht man ja noch. Switzerdütsch ist da schon schwieriger. Beim Behördendeutsch jedoch ist der Wortschatz der meisten Menschen überfordert.

„Die Ladung von Beteiligten ist als untunlich zu unterbleiben, da diese zweckmäßigerweise durch Übersendung von Ablichtungen über Form und Inhalt der vorliegenden Erklärung von Todes wegen unterrichtet werden.“ Solche Bandwurmsätze fanden sich vor weniger als zehn Jahren auch noch in Schreiben vom Kreis Soest. „Jetzt möchten wir aber, dass unsere Bescheide bürgerfreundlich formuliert sind“, sagt Pressesprecher Wilhelm Müschenborn und übersetzt: „Ich habe den Angehörigen des Verstorbenen eine Kopie des Testamentes zugeschickt. Ein persönliches Erscheinen vor Gericht ist deshalb nicht erforderlich.“ Warum schwierig, wenn es einfach geht?

Nach ersten eigenen Verbesserungsversuchen hat sich die Kreisverwaltung Soest vor vier Jahren Hilfe von Fachleuten der Ruhruniversität Bochum geholt. Michaela Blaha und Hans-Rüdiger Fluck versuchen mit ihrem Projekt IDEMA (Internet-Dienste für eine moderne Amtssprache) seit zehn Jahren, das Behörden-Kauderwelsch zu entwirren. Mittlerweile hat sich IDEMA als eigene Firma ausgegliedert.

Das, was Michaela Blaha und ihre Mitarbeiter fordern, sollte eigentlich selbstverständlich sein: „Ein Bescheid muss eine klare Struktur haben. Der Bürger muss verstehen, was die Behörde von ihm verlangt, und welche Rechte er hat“, erklärt sie. Dazu solle sich der Verfasser in die Rolle seines Lesers hineinversetzen, das Wichtigste an den Anfang stellen und präzise und verständlich formulieren. Allerdings, weiß auch Wilhelm Müschenborn, trauen sich viele Behördenmitarbeiter nicht, die Dinge so zu schreiben, wie sie gemeint sind: „Natürlich müssen die Texte rechtssicher sein. Da stellen sich viele Mitarbeiter dann die Frage: Kann ich das so einfach ausdrücken?“

Aber: Ist die Aufforderung nach einer „Restmüllbehältervolumenerhöhung“ juristisch richtiger, als „eine größere Mülltonne kaufen“? Was bitte ist eine „Ablichtung“, wenn eigentlich nur eine „Kopie“ gebraucht wird? Wo wächst „Spontanvegetation“, wo „Unkraut“?

Am Ende müssen die Texte juristisch, sprachlich und inhaltlich geprüft werden. Dann erst kann man sie ohne Bedenken verschicken. „Für einen Bescheid brauchen wir im Durchschnitt 20 Arbeitsstunden“, sagt Blaha über die Datenbank von IDEMA, in der sich mittlerweile 300 aufbereitete Texte befinden.

Am Ende jedoch erspart ein sprachlich überarbeiteter Bescheid allen Seiten Arbeit und Ärger. Die Bürger ärgern sich nicht mehr über verkorkste Sätze, die Beamten nicht mehr über aufgebrachte Anrufer.

Der Prozess hin zum verständlichen Behördendeutsch ist laut Michaela Blaha langwierig. Auch Wilhelm Müschenborn sagt: „Das ist eine Daueraufgabe.“ Darum hat es sich eine Mitarbeiterin im Soester Kreishaus zur Aufgabe gemacht, ihre Kollegen bei sprachlichen Fallgruben zu beraten. Ein besonderes Training erhielten auch die Auszubildenden in der Verwaltung, sagt Wilhelm Müschenborn: „Damit sich die verstaubten Floskeln gar nicht erst im Kopf einpflanzen.“

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