Lohn

Unterbezahlt im städtischen Spaßbad

Foto: WP

Hagen.   In zwei Städten im Hochsauerlandkreis und in Soest werden die Angestellten der Freizeitbäder nicht nach dem kommunalen Tarifvertrag bezahlt - und das, obwohl ihr Arbeitgeber eigentlich die Stadt ist.

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Auf diese Missstände machte jetzt die Gewerkschaft Verdi aufmerksam. Die Kommunen hätten ihre Schwimmbäder in Tochtergesellschaften untergebracht, um so den Tarifvertrag zu umgehen. „Wir wenden uns insbesondere gegen die Ungleichbehandlung von Beschäftigten“, sagt Gerd Stodollick, Verdi-Geschäftsführer im Bezirk HSK. Beispielsweise arbeiten im Arnsberger Spaßbad „Nass“ zehn tariflich bezahlte Beschäftigte mit 26 nicht-tariflich bezahlten Kollegen zusammen.

Die zehn Bessergestellten haben vorher schon in den alten, städtischen Hallenbädern gearbeitet. „Diese Mitarbeiter sollten ihren damaligen Besitzstand behalten. Ihre Zahl verringert sich stetig. Ein einheitliches Lohnsystem ist das Ziel“, erklärt Bürgermeister Hans-Josef Vogel. Würde die „Neue Freizeitbad Arnsberg GmbH“ ihre Angestellten nach dem kommunalen Tarif bezahlen, so die Rechtfertigung, könne das Schwimmbad ohne öffentliche Zuschüsse nicht über­leben.

Genau das aber fordert Gerd Stodollick. „Der Bürgermeister, die ganze Stadt­verwaltung sind nicht kostendeckend und werden be­zuschusst. Warum geht das nicht bei den Mitarbeitern der Freizeitbäder?“

Auch das „AquaFun“ in Soest und das „AquaOlsberg“ sind dem Verdi-Vertreter ein Dorn im Auge. „Wir halten die Löhne für gerechtfertigt“, sagt Andreas Rüther, Geschäftsführer des „AquaOlsberg“. Seine knapp 60 Angestellten bekommen weder Feiertags- oder Nachtzuschläge noch Weihnachtsgeld.

Dafür gibt es ein Tantiemensystem, bei dem die Mitarbeiter am Besucherzuwachs mitverdienen können. Dieses Lohnsystem liege, so Rüther, sogar über den Empfehlungen der Beraterfirma, die man vor der Eröffnung des Bades im August 2008 beauftragt hatte. „Diese Firmen kassieren dickes Moos für ihre Arbeit“, kritisiert der Gewerkschafter. Das Geld sollte lieber den Beschäftigten zugute kommen.

Laut Stodollick müssten die Beschäftigen im „Nass“ in Arnsberg Lohndiskrepanzen von bis zu 15 Prozent hinnehmen. Einige Löhne lägen knapp über der Armutsgrenze. „Mit 1700 Euro Brutto, das ist die niedrigste Gehaltsstufe dort, kommt man als Familienernährer nicht über die Runden.“

Anfang nächsten Jahres wollen sich die Gewerkschafter mit den Bürgermeistern beraten. Ziel ist ein Tarifvertrag für die Bäder-Gesellschaften.

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