Kirche.

Verheiratet, zwei Söhne, heute katholischer Priester

Foto: pdp

Iserlohn/Köln.  Harm Klueting ist verheiratet. Er hat zwei Söhne. Dennoch wird der Iserlohner vom Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zum Priester geweiht - trotz Zölibats, mit einer Sondergenehmgigung des Papstes

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Der Mann ist gebürtiger Iserlohner. Er ist verheiratet. Er hat zwei Söhne. Und er wird vom Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zum Priester geweiht.

Wer nun glaubt, der Reformflügel innerhalb der katholischen Kirche hätte die Oberhand gewonnen, der irrt. Der Weihekandidat, Geschichtsprofessor Harm Klueting, wird Pastor mit dem Segen von Papst Benedikt XVI.

Seit Papst Pius XII. 1951 die Ausnahmeregelung zuließ, dürfen verheiratete Geistliche anderer Konfessionen nach dem Übertritt Priester werden. Sie unterliegen nicht dem Zölibat. Für die Dauer der Ehe wird ihnen in der Regel aber kein Pfarramt zugewiesen.

Der 61 Jahre alte Harm Klueting erfüllt die Voraussetzungen für einen sogenannten „Dispens“ vom Weihehindernis der Ehe. Von 2000 bis 2004 war er evangelischer Pfarrer. 2004 trat er in die katholische Kirche über. An der Kölner Universität lehrt der Vater zweier erwachsener Söhne „Neuere Kirchengeschichte“. Er ist verheiratet mit der Ordenshistorikerin Dr. Edeltraud Klueting, die dem weltlichen Zweig des Karmelitenordens angehört.

„Die Weihe findet heute im kleinen Kreis statt“ , berichtet Nele Harbeke vom Erzbistum Köln unserer Zeitung. Der Familienvater im Priesteramt werde zukünftig in der Hochschulseelsorge eingesetzt.

Weltweit 300 Fälle bekannt

Nele Harbeke zufolge dürfen Priester wie Harm Klueting mit ihren Frauen zusammenleben. Erlaubt sei ihnen auch, Kinder zu zeugen. „Sollten sie verwitwen, dürfen sie aber nicht wieder heiraten.“

Thomas Throenle vom Erzbistum Paderborn weiß von weltweit 300 Priestern zu berichten, die aus der protestantischen Gemeinschaft zur katholischen Kirche konvertiert sind. Im Erzbistum Paderborn sei dies äußerst selten. „In den letzten zehn Jahren gab es nur einen einzigen Fall. 2007 wurde der ehemalige evangelische Pastor Gerhard Stille zum Priester geweiht.“ Der heute 50-Jährige ist mittlerweile im münsterländischen Brakel in der St. Vincenz-Gemeinde als Krankenhausseelsorger tätig.

Gerhard Stille hat seinen Schritt in die katholische Kirche nie bereut. „Aber es war ein langer Weg“, sagt er unserer Zeitung. Ein Gotteserlebnis habe ihn dazu bewogen. „Mein Evangelischsein habe ich nicht weggeworfen, aber die katholische Kirche ist mehr, mehr an Geschichte, sie ist Weltkirche. Für mich ist es eine Erweiterung des Glaubens.“ Vor allem nach den Mystikern und den Heiligen habe er immer gesucht, beschreibt er den Keim, der später zur Konversion führte. Ausschlaggebend sei das Erinnerungsblatt „Mémorial“ des französischen Mathematikers Blaise Pascal (1623 - 1662) gewesen, das voller mystischer Erfahrungen sei.

Jeder Konvertit hat seine Geschichte

Jeder Konvertit, sagt Gerhard Stille, habe seine Geschichte. Deswegen könne er nichts zu Harm Klueting sagen. Aber viele Konvertiten seien päpstlicher als der Papst. Sich selbst meine er damit nicht.

Die Forderung von 250 katholischen Hochschullehrern, künftig auch verheiratete Männer zur Priesterweihe zuzulassen, will Stille nicht kommentieren. „Im Prinzip betrifft es mich ja nicht“, sagt er vieldeutig. Es sei schwer, sich in Menschen zu versetzen, die zolibatär leben müssen. Viele Katholiken in der St. Vincenz-Gemeinde, so der Familienvater und Priester, hätten bei diesem Thema keine Zweifel. Sie empfänden ihn und seine Familie als eine schöne Seite der katholischen Kirche. „So sollte es sein“, höre er des öfteren.

Der Zölibat, da ist sich der gebürtige Niedersachse sicher, werde nicht ewig währen. Er sei keine kluge Einrichtung. Er funktioniere nicht. Da brauche man noch nicht ein Mal über Kindesmissbrauch zu sprechen. Und Stille weiß auch, warum: „Weil Priester eben auch nur Menschen sind.“

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