Tag der offenen Moschee

Vertrauen durch Begegnung schaffen

Foto: Privat

Meschede/Hagen. Islamische Religionsgemeinschaften laden seit 1997 am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, zum Tag der offenen Moschee ein. Bundesweit beteiligen sich 583 Gemeinden. In Südwestfalen sind es acht – fünf in Hagen, zwei in Siegen und eine in Meschede.

Nicht im Fernsehen, nicht im Radio, nicht in der Zeitung. Nein. „Hier vor Ort können sich die Besucher in der Begegnung und im Gespräch ein authentisches Bild über die Muslime machen“, sagt Dr. Ahmet Arslan, „und die Moschee riechen und fühlen“. Seit neun Jahren organisiert der Dialogbeauftragte des türkisch-islamischen Kulturvereins in Meschede in der größten Moschee des Sauerlands mit der Volkshochschule den Tag der offenen Tür.

„Wir wollen grundlegende Kenntnisse über den Islam vermitteln“, sagt der 42-Jährige, „und im Kontakt mit den Besuchern Vorurteile abbauen. Nur so ist gegenseitiges Vertrauen möglich.“

Der promovierte Germanist, der an der Hauptschule in Bestwig unterrichtet und Fachleiter am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Arnsberg ist, „ich bilde Türkisch-Lehrer aus“, hat ein eigenes Konzept entwickelt, um Verständnis für den Islam zu wecken.

„Wir beantworten in einer Ausstellung die ständig wieder kehrenden Fragen, die die Menschen beschäftigen: Warum tragen muslimische Frauen Kopftücher? Warum beten Frauen nicht mit Männern in einem Raum? Was sagt der Islam zu den Terroranschlägen, die in seinem Namen verübt werden? Wer bezahlt den Vorbeter, den Imam? Lebt er im Zölibat?“ Der türkisch-stämmige Deutsche weiß: „Auf alles gibt es nicht nur die eine Antwort.“

Mit Zitaten aus dem Koran will Imam Birinci das diesjährige Motto des Tages erklären. Es lautet: „Muhammad - Prophet der Barmherzigkeit“ und will den Vermittler der Botschaft Gottes in den Blickpunkt rücken.

Nicht zuletzt erläutert Imam Birinci den Gebetsruf, die Gebetshaltung und erklärt das Selbstverständnis der Muslime.

In Meschede leben 1500 muslimische Frauen und Männer, 300 von ihnen gehören der Ditib-Moschee im Industriegebiet an der B 55 an. In ganz Nordrhein-Westfalen leben 1,2 Millionen Muslime.

Wichtig ist es Arslan, Gespür für die Religion des anderen zu bekommen. „Wenn sie wollen, dürfen die Menschen bei uns mitbeten. Auch fordern wir dazu auf, ein Vater unser zu sprechen. Die gegenseitige Anerkennung wird bei uns groß geschrieben.“

Jedermann ist herzlich eingeladen, „mit Kind und Kegel, angemeldet oder unangemeldet, zwischen 12 und 18 Uhr vorbei zu kommen“.

Wer will, ist zu Kalligraphie-Übungen eingeladen und lernt, seinen Namen auf Arabisch zu schreiben.

Nicht beteiligt am Tag der offenen Moschee sind die Moscheen in Arnsberg, Bestwig-Ramsbeck, Brilon, Marsberg und Iserlohn.

Warum nicht?

Die Antwort gibt Arslan mit einem Lächeln: „Es muss immer einen geben, der sich mit seinem Engagement opfert. In Meschede bin ich das Opfer.“

Zum Tag der offenen Moschee rufen vier Verbände muslimischer Religionsgemeinschaften auf: die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), der Islamrat für die BRD, der Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Verband der Islamischen Kulturzentren.

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