PIN-Nummer

Vier Ziffern, die im Kopf bleiben

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Hagen.„Man wird ja mit Passwörtern, Zugangscodes und PINs nur so zugeschmissen“, sagt Thomas Hesse, Bereichsleiter Kartengeschäft bei der Märkischen Bank in Hagen. „Da ist es doch schön, sich künftig selbst eine passende Nummer aussuchen zu können.“ Künftig - das heißt im Laufe des kommenden Jahres. Wenn die Märkische Bank wie die anderen Volks- und Raiffeisenbanken den neuen Service der frei wählbaren PIN für ihre Bankkarten einführt. Und in einer zweiten Stufe auch für die Kreditkarten.

„Technisch sind die Geldautomaten vorbereitet“, sagt Hesse. Vom Frühjahr an wird es möglich sein, die ungeliebte neue Nummer, die der Kunde zugeteilt bekommt, weil die alte Karte zerbrochen ist oder gestohlen wurde, durch eine selbst gewählte zu ersetzen, die sich logischerweise meist leichter behalten lässt.

Aber allzu naheliegend sollte die Wahl-PIN auch nicht sein. Die Volksbanken raten vom Geburtsdatum ab. Oder vom Geburtsjahr. Oder von Ziffernfolgen wie 1 2 3 4. „Bestimmte Nummern wird das System automatisch ablehnen“, erklärt Hesse. „Vier Mal die Eins kann man beispielsweise nicht eingeben.“

Etwas Kreativität ist also schon nötig. Dafür erhöht sich nach Ansicht der Banker die Sicherheit. „Wir unterstützen die Verbraucher in der nötigen Geheimhaltung ihrer PIN“, sagt Andreas Martin, Vorstand des Bundesverbandes Volks- und Raiffeisenbanken. Denn bisher ist es mit den willkürlichen zugeteilten Zahlen so, dass sehr viele Menschen eine Gedächtnisstütze benötigen. Die einen kleben sich den Zettel mit dem Ausdruck an versteckter Stelle in die Schreibtischschublade - und stellen im Notfall fest, dass die Schrift verblasst und unlesbar ist. Andere holen immer nur kleine Beträge am Automaten, damit sie die Nummer oft eingeben müssen und so nicht vergessen. Aber die meisten Bankkunden machen sich Notizen.

Dass sie die PIN direkt auf die Karte schreiben, kommt inzwischen nur noch selten vor. „Aber dass jemand sich den Zettel ins Portemonnaie legt, das passiert immer noch“, weiß Thomas Hesse. „Solchen Kunden ist wohl nicht zu helfen.“

Viel pfiffiger ist es allerdings auch nicht immer, die Nummer im Handy zu speichern. „Eine vierstellige Zahl unter den Stichwort GA in der Telefonliste - damit macht man es Kriminellen allzu leicht“, warnt Hesse. Denn mit der Damenhandtasche erbeutet der Dieb meist Bankkarte und Handy. Da empfehlen sich also zumindest ein Codename und eine Vorwahl.

Oder empfahlen sich. Denn Volksbank-Kunden haben das bald nicht mehr nötig. Verbraucherschützer sehen das auch mit etwas Sorge. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW fürchtet, viele Kunden könnten allzu leicht erratbare Nummernfolgen wählen. Die Privatbanken, die den Wahl-PIN-Service bereits anbieten, etwa die Deutsche Bank und die HypoVereinsbank, berichten allerdings nicht über zusätzliche Sicherheitsprobleme. Nach wie vor gilt ja: Nach drei Versuchen ist die Karte weg. Und dass die Kunden der Dresdner Bank nach der Fusion mit der Commerzbank diese Möglichkeit seit 2010 nicht mehr haben, liegt nur daran, dass das Angebot nicht sonderlich stark genutzt worden sei, heißt es bei der Commerzbank.

Die Volks- und Raiffeisenbanken mit ihren 30 Millionen Kunden versprechen sich offenbar mehr Zuspruch davon. Sonst hätten sie nicht investiert. Wie viel? Wird nicht verraten. „Aber billig war die Software nicht“, sagt eine Sprecherin des Bundesverbandes.

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