Vuvuzelas: Die WM-Tröten werden in Lüdenscheid hergestellt

Von Südwestfalen in die weite Welt

Foto: WP

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Lüdenscheid. Joachim Löws Seufzer stieß beim Fußball-Weltverband Fifa auf taube Ohren.

Der Bundestrainer hatte über ein Verbot der „Nerv-Tröten” namens Vuvuzela laut nachgedacht. Jetzt kommen die südafrikanischen WM-Tröten - ein wenig schallgedämpft - in den europäischen Verkauf. Hergestellt werden sie ausschließlich in Lüdenscheid - vom Sauerland in die weite Welt.

Mehmet Bicici ist schon seit 18 Stunden auf den Beinen. Der Inhaber von Kunststoff- und Montagetechnik Erwin Seckelmann in Lüdenscheid sitzt in seinem Büro in der Firmenzentrale und erzählt von der ersten großen Lieferung, die gestern pünktlich und auftragsgemäß die Werkshallen verließ. „Wir produzieren derzeit 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche”, sagt der Unternehmer, während Sohn Hasan das aus drei Teilen bestehende und in diesem Fall schwarz-rot-goldene Plastik-Objekt der Fan-Begierde gemäß Gebrauchsanweisung an der Packungs-Rückseite zusammensetzt und einen Blas-Versuch startet: „Vuvuzela nach oben halten. Lippen spitzen. Lautstärke dosieren.”

Schalldämpfung im Mundstück

Geübte Bläser seien durchaus im Vorteil, sagt Mehmet Bicici, der die Vuvuzela in dem 12-Mitarbeiter-Betrieb konstruiert hat und dem aufgefallen ist, dass insbesondere Kinder sehr passable Töne aus der trichterförmigen Öffnung herausbringen. Sein (erwachsener) Sohn hat den Bogen raus und schafft eine durchdringende Geräusch-Salve, die an Benjamin Blümchen bei der Hirschbrunft erinnert. Speziell für die Vuvuzela (Aussprache-Künstler nennen als Eselsbrücke ein lallelndes Uwe Seeler) hat das Unternehmen Erwin Seckelmann eine Schalldämpfung im Mundstück entwickelt, das den Geräuschpegel des Fan-Utensils laut TÜV-Prüfung um 12,6 Dezibel senkt. Dankenswerterweise weist ein Aufdruck auf der Tröte dennoch darauf hin, die runde Öffnung nicht unmittelbar an das Ohr des Nachbarn zu halten.

Den Großauftrag hat Bicici („Ich bin eher jungfräulich zu der Anfrage gekommen”) von der Urbas/Kehrberg GmbH in Düsseldorf erhalten, die die europäischen Marken- und Vertriebsrechte für das durchdringende Symbol des südafrikanischen Fußballs, die Lizenz zum Tröten also, bei der Fifa erworben hat. Das heißt: Nur die Plastik-Trompeten, an denen vuvuzela-europe-com und „Made in Germany” draufsteht, sind in Fußball-Arenen auf dem europäischen Kontinent zugelassen.

Seit dem Confed-Cup bekannt

Mit dem Confed Cup im vergangenen Juni in Südafrika wurden die lauten Kunststoff-Instrumente weltweit bekannt. Die 50 cm langen und 108 g schweren Teile sollen in Sportgeschäften und im Internet für einen Preis von 8 bis 10 Euro verkauft werden. Darüber hinaus werden die Tröten zum Beispiel als Promotion-Ware für Getränke- und Sportartikelhersteller sowie als Werbe- und Geschenkartikel produziert.

Die Nachfrage scheint riesig zu sein. 5000 Stück in verschiedenen europäischen Landesfarben werden täglich in dem Lüdenscheider Werk, das üblicherweise Kunststoffartikel für die Elektro-, Möbel- und Autoindustrie herstellt, maschinell gegossen und anschließend per Hand verpackt. Bis zur WM im kommenden Sommer in Südafrika dürften es mehrere Millionen Vuvuzelas (übersetzt aus der Zulu-Sprache: Krach machen) sein.

Falls ein Fußball-Fan irgendwann die Nerven verliert und - selbstverständlich verbotenerweise - seinem dauerbeschallenden Nachbarn die Tröte entreißt und als Schlaginstrument missbrauchen will - es nützt nichts: Die Vuvuzela fällt in diesem Fall auseinander. Und pfeift aus dem letzten Loch.

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