Mobilfunk

Weiße Flecken bis Jahresende verschwunden

Smartphones verursachen immer mehr Datenverkehr.

Smartphones verursachen immer mehr Datenverkehr.

Foto: dapd

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Hagen.Die Datenmengen im Mobilfunk vervielfachen sich jedes Jahr, Pessimisten kündigen den weltweiten Netz-Zusammenbruch 2013 an. Experten erwarten das Gegenteil: Mit dem neuen Standard LTE können 2011 die letzten weißen Flecken im Sauer- und Siegerland getilgt werden.

Erst fällt das Videoangebot von Youtube auf dem Handy aus. Dann funktionieren Twitter-Dienste und E-Mail nicht mehr störungsfrei. Und dann kommt der Kollaps, weil die Netze der Datenflut von immer mehr Smartphones nicht gewachsen sind. So ist das Szenario im Januar-Heft von Geo nachzulesen.

Das klingt bedrohlich. Und für den Laien einleuchtend. Denn der Download eines Youtube-Videos erzeugt laut Angaben des Netzausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN) den gleichen Datenverkehr wie 500 000 SMS. Ein einziger Videostream benötigt so viel Bandbreite wie 100 Telefonanrufe. Und jährlich werden Millionen iPhones, iPads und ähnliche Produkte verkauft, mit denen die Menschen unterwegs per Flatrate ins Internet gehen.

Laut Bundesnetzagentur wuchs das Datenvolumen im deutschen Mobilfunk von 3,5 Millionen Gigabyte im Jahr 2007 auf 33,5 Millionen Gigabyte im Jahr 2009. 2005 gab es 2,4 Millionen regelmäßige mobile Internetnutzer, 2009 schon 19 Millionen.

Wie lange kann das noch gut gehen? Die Frage amüsiert Dr. Wolfgang Mahler. Er ist Akademischer Direktor am Institut für Hochfrequenztechnik der Uni Stuttgart: „Ich kann nicht erkennen, dass die Fachwelt aufgeschreckt wäre“, meint er. Klar: „Der Breitbandhunger nimmt extrem zu, die Zunahme der Übertragungsraten ist gewaltig. Aber mit immer größeren Rechen- und Speicherbedürfnissen sind wir bisher auch ganz gut fertig geworden.“

Mahler erinnert sich an seinen Professor, der bis zu seinem Tod geglaubt habe, es werde niemals digitales Fernsehen geben, weil er sich die Fortschritte bei Codierungstechnik und Datenreduzierung nicht vorstellen konnte. Mahler erwähnt Neuerungen in der Modulationstechnik und betont: „Jetzt mit LTE haben wir dicke Reserven.“

LTE steht für Long Term Evolution und ist der Nachfolger des Standards UMTS (3G), also 4G, die vierte Mobilfunkgeneration, die Bandbreiten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde ermöglicht - doppelt so viel wie beim Festnetz-DSL und zehnmal mehr als bei UMTS. Die Telekom stellte im August 2010 den ersten Sendemast in Meck-Pomm auf, Vodafone hat im Dezember die Privatkundenversorgung gestartet, die Telekom vermarktet ab April.

Und die gute Nachricht für die Menschen im Sauer- und Siegerland, die noch zu kämpfen haben mit Löchern im Mobilfunknetz und mit fehlenden schnellen Internetverbindungen: Diesmal startet der Ausbau nicht in den großen Städten, sondern auf dem Land. Das war die politische Auflage bei der Versteigerung der Frequenzen im vergangenen Jahr. Vodafone und Telekom versprechen, bis Ende 2011 alle weißen Flecken auf der Versorgungs-Landkarte verschwinden zu lassen. Teilweise wird der Kunde dabei einen Festnetzanschluss nutzen, der dann nicht per DSL, sondern mobil über LTE die Signale erhält.

Und wie erklären sich die deutschen Anbieter die apokalyptische Prognose? „Da werden offenbar Probleme in den USA, wo zu wenig ins Netz investiert wurde, pauschal hochgerechnet“, sagt Telekom-Sprecher Alexander von Schmettow. „Wir dagegen erweitern ständig unsere Kapazitäten bedarfsgerecht.“ Deshalb werde es in Deutschland auch den in den USA an die Wand gemalten Abschied von der Flatrate nicht geben.

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