Erfahrung

Zur blauen Stunde an der Loipe

Mit dem Loipenspurgerät durch die eisige Nacht.

Mit dem Loipenspurgerät durch die eisige Nacht.

Foto: Ralf Hermann

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Winterberg. Es knirscht bei jedem Schritt. So hört sie sich an, die Melodie des gefrorenen Schnees, der unter dem Profil der Winterschuhe nachgibt. Links und rechts des Weges glitzern Millionen von Schneekristallen um die Wette, die Äste der Bäume biegen sich unter der weißen Last, der Himmel trägt noch schwarz. Es ist Freitag, kurz nach 6 Uhr bei minus 10 Grad Celsius, als die Idylle durch das tiefe Brummen eines Motors gestört wird. Der „Husky“ will raus.

Vier Scheinwerfer tauchen die Schneelandschaft plötzlich in ein grelles Licht. Die Schneeketten pflügen sich langsam aus der Garage. Hinter dem Lenkrad, das ein wenig wie das Steuer eines Formel 1-Rennwagens aussieht, sitzt Christoph Bayer. Er und der „Husky“ sind vor wenigen Tagen in die Wintersaison gestartet. Sie verbindet eine tägliche Aufgabe: Langläufer glücklich machen.

„Herzlich willkommen an Bord des Loipenspurgerätes des Verkehrsvereins Winterberg und des Skiklubs“, trotz der frühen Stunde ist Christoph Bayer gut gelaunt. Kein Wunder, die nächtliche Landschaft des Langlaufzentrums am Bremberg, direkt gegenüber der Bobbahn, bietet ein malerisches Bild. Da lohnt sich das frühe Aufstehen.

In der Fahrer-Kabine ist es bereits wohlig warm, die unzähligen Knöpfe, Schalter und Hebel nötigen Respekt ab. Christoph Bayer, der sonst im Cockpit eines Ultraleicht-Fliegers sitzt und so an Technik gewöhnt ist, hat seinen „Husky“ mit Schneepflug vorne sowie Spurgerät, Fräse und Glättebrett hinten im Griff. „Jetzt geht’s los. Bis die Langläufer frühmorgens kommen, muss die Loipe perfekt sein“, sagt er und sein motorisierter „Husky“ gehorcht aufs Wort.

Während das 200 000 Euro teure Fahrzeug kraftvoll durch die Schneisen des Waldes gleitet, senkt sich hinter der Fahrerkabine das Spurgerät ab und zieht zwei tiefe Bahnen in den Schnee. Direkt daneben zaubert die Fräse mit dem Glättebrett eine glatte, leicht gerillte Fläche. „So ziehen wir sowohl für den klassischen Stil als auch für die Skater eine saubere Spur. Mit wieviel Druck ich dabei arbeite, liegt an der Qualität des Schnees und ist Erfahrungssache. Man hat irgendwann das Gespür für Schnee“, erklärt er.

Kurve für Kurve arbeitet sich der „Husky“ den Berg empor. „Anfangs war das wie ein Labyrinth, alles sah gleich aus. Mittlerweile habe ich aber eine feste Route, so dass ich eine bereits gezogene Spur nicht mehr kaputtfahre.“ Und die Qualität der Loipe ist jetzt wichtiger denn je, denn heute und morgen kommt der erste große Ansturm der Wintersportler. 60 Lifte und 100 km Loipe stehen bereit. 20 000 bis 30 000 Euro kostet allein die Loipenpflege in der Saison.

Immer wieder blickt Christoph Bayer in die Rückspiegel. Kontrolliert, ob die Spur passt. Ab und zu setzt er zurück, zieht in Kurven Verbindungsstücke oder korrigiert die Spur. „Jetzt kommen wir durch den Märchenwald und fahren dann in die Kathedrale“, schwärmt er. Kathedrale? Wenig später wird es klar. Oben, auf dem Kopf des Brembergs, öffnet sich der Wald. Eine riesige Freifläche gibt den Blick frei auf die St. Georg-Schanze, ins Tal, auf brummende Schneekanonen und auf noch leere Skihänge.

Mittlerweile ist auch die Morgendämmerung hereingebrochen, das Lichtspiel von Sonne und Wolken lädt ein zum kurzen Verweilen. Da darf auch der „Husky“ Pause machen. „Der ist ein Alleskönner. Wir nutzen ihn zum Beispiel auch, um die Liftspuren zu ziehen. Er ist halt sehr wendig und hat eine schmale Spurbreite. Das macht ihn so wertvoll“, erklärt Christoph Bayer.

Vier Stunden später ist Schicht und er darf wieder in die Garage, der „Husky“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben